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An Flanderns Küste

Autor: Michael Schmeelke
Titel: An Flanderns Küste
Untertitel: Matrosen-Artillerie an der belgischen Küste im Ersten Weltkrieg 1914 - 1918
Seiten: 140
Abbildungen: durchgängig illustriert mit Farb- und s/w-Aufnahmen sowie Karten
Verlag: Scherzers Militär-Verlag
Ort, Jahr: Bayreuth, 2013
ISBN: 978-3-938845-44-8

Dieses Buch verdankt seine Entstehung – neben der opportunen Gelegenheit, es zu dem in Kürze anstehenden 100-jährigen Jahrestag des Kriegsausbruches editieren zu können – vor allem wohl der Tatsache, dass der Autor vor Jahren in die günstige Lage versetzt wurde, neben einem umfangreichen fotografischen Nachlaß auch einige Zeitzeugenberichte in Form von Tagebüchern aus dem Bereich des Marinekorps-Flandern erwerben zu können. Diese extrem stark befestigte Seefront – gehalten eben von der Marine und nicht vom Heer – als „rechtem Flügelmann der Westfront“ übt auch heutzutage noch einen gewissen Reiz nicht nur auf Festungs-, sondern auch, aufgrund des eingesetzten Materials, auf Marineforscher aus. Und das bislang veröffentlichte Bildmaterial ist auch nicht eben überreichlich. So durfte man auf dieses Buch gespannt sein

Gegliedert ist es in zwei hauptsächliche Teile, nämlich eine generelle Übersicht über den Kriegsschauplatz an sich, betitelt: „Die Matrosen-Artillerie in Flandern 1914 - 1918“, sowie einen Abschnitt, benannt: „Küstenbatterien im Detail“, in dem einige – beileibe nicht alle – Batterien detaillierter vorgestellt werden. Der erste Teil bietet einen kompakten Überblick über die Ereignisse, beginnend mit der Aufstellung der einzelnen Marine-Divisionen, welche angesichts der sich abzeichnenden personellen Knappheit des Heeres die zur See hin völlig offene Flanke der vorrückenden deutschen Front in Belgien absichern sollten. Natürlich stand dahinter auch der Wunsch der Marine, Zugriff auf die flandrischen Häfen zu erhalten, die für eine nun unausweichliche Kriegführung gegen England die optimalen Basen darstellten.

Nachdem sich dann der Vormarsch entlang der Küste vor Nieuport festgefahren hatte, galt es, das Erreichte zu halten und zu sichern, wobei man feststellen musste, dass nicht einmal ausreichend Geschütze für die vorgesehene Aufgabe zur Verfügung standen. Diese konnten dann, nachdem ein feindlicher Angriff auf die deutsche Küste zunehmend unwahrscheinlich geworden war, anfänglich einigen der dortigen Befestigungen entnommen werden. Dem „Hunger“ der Seefront nach immer mehr und immer weiter tragenden Geschützen zur Abwehr britischer Feuerüberfälle konnte schließlich nur entsprochen werden, indem mehr und mehr für den Seekrieg nicht mehr tauglich erachtete Schiffe ihrer Geschütze beraubt wurden, nachdem sie meist aus Personalmangel ohnehin bereits in die Reserve überführt worden waren.

Selbstverständlich kommt die Schilderung auch nicht ohne das „highlight“ der Operationen aus, dem Angriff britischer Streitkräfte am St. Georges-Day 1918 auf Zeebrügge, wobei hier in durchaus interessanter Weise historische mit neuzeitlicheren Aufnahmen gemixt werden. Überhaupt die Fotos. Sie sollen den Kern des Buches ausmachen – und das ist auch im Großen und Ganzen gelungen, wobei ein auffallend großer Teil nicht mehr aus den Kriegsjahren, sondern den unmittelbaren Nachkriegsjahren stammt und dementsprechend die Befestigungen mehr im wracken oder gesprengten Zustand zeigen.

Der zweite Teil geht dann – wie erwähnt – auf einzelne wenige Befestigungsanlagen genauer ein, wobei sich nicht immer erschließt, warum gerade diese und keine andere Befestigung ausgewählt wurde, wenn es nicht von der Fotolage herrührt – was aber der Erklärung harrt. Wenig verwunderlich ist allerdings, daß hauptsächlich die großkalibrigen Batterien Abbildung finden, waren diese doch „state-of-the-art“-Waffen jener Zeit und bedurften vor allem umfangreicher verbunkerter Stellungen. Aber auch einzelne Flak-Batterien finden Berücksichtigung, stellte die Bedrohung aus der Luft doch seinerzeit etwas ganz Neues dar, was auch seine photographische Berücksichtigung fand. Abgeschlossen wird das Buch mit einer Abschrift der Wach-Vorschrift der Batterie Hamburg sowie einer Betrachtung des Schicksals des Cuxhavener Flanderndenkmals.

Eine Bewertung des Buches vorzunehmen ist nicht ganz einfach. Einerseits sticht die Auswahl und Fülle der Abbildungen definitiv heraus – insgesamt könnte man es beinahe als kommentierten Bildband bezeichnen – andererseits macht es einen seltsam unprofessionellen Eindruck. Satz und Form hätten dringend einer Kontrolle bedurft, so gehen beispielsweise ab der Fußnote 31 alle weiteren ins Leere, soll heißen, finden keine Erklärung mehr. Auch die Ordnung der bilderklärenden Texte muss nichts weniger als chaotisch genannt werden. Da fallen dann selbst Schnitzer wie die folgende Bildbeschreibung: „Die Besatzung von Torpedoboot S131 in Ostende. Die 9. Torpedoboots-Flottille bestand aus der 17. und 18. Halbflottille“ kaum noch ins Gewicht. Per se ist zwar die Beschreibung der Zusammensetzung der Flottille korrekt, nur gehörte S131 nie zur 9. Flottille und war dementsprechend auch nie in Ostende.

Der Text ist bis auf wenige Ausnahmen eine nur mäßig ausführliche Schilderung wesentlicher Ereignisse an dieser Front, wobei man sich eine stärkere Einbeziehung der oben erwähnten Primärquellen in Form von nachgelassenen Tagebüchern gewünscht hätte. Denn gerade dort finden sich vielfach die kleinen „Perlen“, die in den offiziellen KTB fehlen. Die moderne „Große Geschichte“ über den Kriegsschauplatz flandrische Kanalküste steht immer noch aus, so daß Veröffentlichungen in vorliegender Form zunächst die Lücken auffüllen helfen, wobei die Illustrations-/Fotoausstattung sicherlich über vieles – wenn auch nicht über alles – hinweg hilft. Unter diesen Einschränkungen sei das Buch vorsichtig empfohlen.

Dirk Nottelmann