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Kleine Kreuzer der Kaiserlichen Marine

Autor: Axel Bader
Titel: Kleine Kreuzer der Kaiserlichen Marine
Untertitel: Aussagen hinterfragt; eine Gegenüberstellung mit britischen Konstruktionen
Seiten: 140
Abbildungen: 4
Verlag: Pro BUSINESS GmbH
Ort, Jahr: Berlin, 2008
ISBN 978-3-86805-155-1

Diese Veröffentlichung stellt wahrscheinlich die zukünftige Form des Fachbuches dar - zumindest für Randthemen, wie sie die Beschäftigung mit der Marinegeschichte heutzutage nun einmal ist. Insofern ist das Engagement des Autors zunächst uneingeschränkt zu begrüßen, unter Einsatz eigener finanzieller Mittel ein Buch zu einem der weiterhin noch höchst ungenügend behandelten Themata insbesondere deutscher Marinegeschichte zu veröffentlichen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Mut, denn ein kommerzieller Durchbruch, ja, Erfolg steht realistisch (leider) kaum zu erwarten. Letztere Aussage resultiert natürlich auch ein wenig aus der vorgefundenen Aufmachung des Bandes, denn nach der rein persönlichen Meinung des Rezensenten hat ein Buch heutzutage nur dann Chancen, wenn es vorwiegend visuell ausgerichtet ist. Mag der Inhalt auch noch so bahnbrechend daher kommen.

Somit sei hier gleich auf eine der Schwächen eingegangen, nämlich das nahezu komplette Fehlen von Abbildungen. Balken- und Tortendiagramme stellen da nicht wirklich einen Ersatz dar, ebensowenig wie die Verwendung von Tabellen. Wird dieses Manko vielleicht durch den Inhalt aufgewogen?

Grundsätzlich darf man dem Autor bescheinigen, daß er nach bestem Wissen und Gewissen dem im Untertitel genannten Ziel gefolgt ist: Aussagen zu hinterfragen. Er hat sich bei der Auswertung der von ihm benutzten Quellen auch nicht von der bislang herrschenden Meinung über das sogenannte Wettrüsten in der ersten Dekade des vorigen Jahrhunderts blenden lassen. Mit dieser Unbefangenheit kommt er über die reinen Zahlen zu einer Aussage, die eigentlich offene Türen einrennt und heutzutage niemanden wirklich überraschen kann, daß nämlich die Kaiserliche Marine nicht erst zu Kriegsausbruch allein schon auf dem hier betrachteten Teilgebiet der Kleinen Kreuzer der Royal Navy hoffnungslos unterlegen war. Innovativ, und in dieser Form bislang noch nicht vorgelegt ist auch die Analyse der Kriegsjahre, wie viele Kreuzer eigentlich wann der Flotte zur Verfügung standen, und wie hoch der Anteil an modernen Schiffen davon war. Eigentlich eine simple Analyse der In-, bzw. Außerdienststellungs-/Verlustdaten - sie mußte nur erst einmal vorgenommen werden.

Mit der gleichen Unbefangenheit wagt er sich auf das Minenfeld technischer Vergleiche zwischen zeitgenössischen Schiffsklassen und kommt auch dort zu rationalen Urteilen, die den vielfach aus dem Ausland stammenden propagandistisch gefärbten Einschätzungen auch mal entgegenstehen. Nicht übersehen konnte er dabei selbstverständlich die Kaliberfrage, das vermeintliche große Manko der deutschen Schiffe, fragt aber weiter, Gefecht für Gefecht, ob das 15 cm-Kaliber in dem jeweiligen Fall wirklich Vorteile für das deutsche Schiff gebracht, oder gar den Untergang verhindert hätte? Auch hier also unkonventionelle Fragen, zu einem seit Generationen festgefahrenen Thema. Damit stehen also auf der „Habenseite“ durchaus einige Pfunde, mit denen der Autor wuchern kann!

Doch es gibt auch nicht zu übersehende Schwächen - siehe unter anderem oben. Die wesentliche Schwäche ist allerdings die Basis, von der aus er seine Betrachtungen und Analysen anstellt. Bei den „Lebensdaten“ der Schiffe fällt das nicht sehr ins Gewicht, wohl aber bei angestellten Vergleichen und Wertungen. Man kann die Charakteristika von Kriegsschiffen nur dann wirklich beurteilen oder gar vergleichen, wenn man die der Konstruktion zugrunde liegenden Anforderungen taktischer und strategischer Art kennt. Dafür aber reicht die herangezogene Quellenbasis nicht aus, wobei die seinerzeitige Artikelserie in der „Marine-Rundschau“, aus der Feder von Professor Strohbusch, noch am tiefgehendsten genannt werden muß. Zum Zwecke noch tiefergehender Analysen bedarf es jedoch des Studiums des Aktenmaterials - welches zugegebenermaßen nicht sehr konsistent ist; das ist hier nicht geschehen.

Es stellt sich die Frage nach der Güte der Quellen auch aus dem Grund um so intensiver, weil gerade in der letzten Dekade das überkommene Geschichtsbild der deutsch-britischen Flottenfrage einer umfassenden Revision unterzogen wurde. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse strahlen auch auf das Feld der Kleinen Kreuzer beider verglichener Nationen aus, und finden in dieser Veröffentlichung kaum Berücksichtigung.

Insofern kann das Fazit auch recht kurz und prägnant ausfallen: Ein mutiger Sprung in die richtige Richtung - mit durchaus interessanter Aufgabenstellung -, aber zu kurz gesprungen. Dennoch sollte sich der an der Materie Interessierte dadurch von einem Kauf nicht zwingend abschrecken lassen. Die vorgelegten Daten und Schlußfolgerungen stellen durchaus ein weiteres Mosaiksteinchen auf dem Wege zur definitiven Geschichte der deutschen Kleinen Kreuzer dar.

Dirk Nottelmann (2008)


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