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Die Großen Kreuzer Kaiserin Augusta bis Blücher

Autor: Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke
Titel: Die Großen Kreuzer Kaiserin Augusta bis Blücher
Seiten: 176
Fotos, Skizzen und Tabellen: zahlreich
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 2002
ISBN 3-7637-6232-9
Autor: Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke
Titel: Vom Original zum Modell: Die Großen Kreuzer Kaiserin Augusta bis Blücher
Seiten: 56
Fotos und Skizzen: zahlreich
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 2002
ISBN 3-7637-6233-7

Viel gibt es zu dieser mittlerweile 11. Veröffentlichung in der Reihe "Schiffsklassen und Schiffstypen der deutschen Marine", des Autorengespanns "Koop/Schmolke" nicht mehr zu sagen - außer vielleicht, das sich das inhaltliche Niveau weiter verringert hat. Doch zunächst zum Inhaltlichen:

Nachdem vor einiger Zeit bereits der erste Band über deutsche Große Kreuzer erschienen ist, von von der Tann bis Hindenburg, war es vom Prinzip her nur konsequent, auch den Vorgängerschiffen Beachtung zu zollen, also von Kaiserin Augusta bis Blücher. In bekannter Manier wird jede der dazwischenliegenden Klassen zum Gegenstand eines eigenen Kapitels gemacht, in welchem vor allem die technischen Daten im Vordergrund stehen, ergänzt durch eine Kurzbiographie jedes Schiffes und einige Fotos. In einzelnen Fällen, so z.B. bei der Geschichte des Panzerkreuzers Yorck, erfolgt noch eine weitere Ergänzung, indem zwei eher unbekannte Berichte zum Untergang des Schiffes auf einer eigenen Minensperre der Jade, im November 1914, vorgestellt werden. Diese stellen unzweifelhaft das "highlight" der Veröffentlichung dar. Zusätzlich erhält der Leser, im Kontext der Geschichte von Scharnhorst und Gneisenau bzw. Blücher stehend, Abrisse der Schlachten von "Coronel" und "Falkland" sowie des Doggerbankgefechtes.

Man muß allerdings leider konstatieren, daß das vorgestellte Material sogar für Einsteiger in die Materie äußerst dürftig in seinem Gehalt daherkommt, ja, die beiden - als Standardwerke beim halbwegs interessierten Leser vorausgesetzten - Publikationen von "Gröner" und "Hildebrand/Röhr/Steinmetz" nicht wirklich übertrifft. Grundsätzlich gilt zunächst das bereits anläßlich des direkten Vorgängerbandes gesagte: Ohne jede Frage ist die Kaiserlichen Marine der Vor-Dreadnought-Ära in der jüngeren Literatur ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, was sich für die Zeit vor der Amtsübernahme Tirpitz’s nochmals verstärkt. Also bestünde für jeden Autor mit auch nur ein wenig Forscherdrang die Möglichkeit, wirklich Neues, oder auch nur Vergessenes an das Tageslicht zu holen - sogar ohne dabei groß in das deutsche Archivwesen einsteigen zu müssen, denn vieles ist bereits publiziert worden. Diese Möglichkeiten sind hier vollständig verschenkt worden, obwohl das vermeintlich umfassende Quellenverzeichnis gegenteiliges suggeriert!

Gerade die behandelten 8 Schiffsklassen des umstrittensten Schiffstyps der Kaiserlichen Marine böten Material für mehrere Publikationen. War doch die Einführung des Großen Kreuzers zu Beginn der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts allein bereits ein Politikum allerersten Ranges, in das alle maßgeblichen Stellen - vom Kaiser angefangen, über den Reichskanzler, die interessierten Kreise des Deutschen Reichstags, bis hin zu den unterschiedlichen militärischen Fachdienststellen - ihre eigenen Vorstellungen einzubringen versuchten. Der Schriftverkehr und andere Aufzeichnungen allein zum Thema "Ersatz Leipzig = Fürst Bismarck" füllt Seiten über Seiten in den Archiven. Weiterhin fehlen beispielsweise Anmerkungen seitens des Autors - von Hause aus Techniker - über die Einführung des Dreischrauben-Antriebs in der Kaiserlichen Marine auf Kaiserin Augusta; immerhin ein Markenzeichen des deutschen Kriegsschiffbaues bis 1945.

Und zumindest unglücklich müssen Stilblüten, wie in der Schlußbetrachtung, genannt werden: "Die beiden Großen Kreuzer PRINZ ADALBERT und FRIEDRICH CARL, einer Klasse zugehörig, waren zwar wesentlich moderner, aber auch ihnen mangelte es an Kampfkraft und Standfestigkeit. Für eine Verwendung im Verband der Hochseeflotte waren sie - trotz gelegentlicher Zuteilung bei Manövern - nicht geeignet. Anfänglich lediglich Verwendung auf dem weniger exponierten Ostseekriegsschauplatz, dann aber schnell aus der Front gezogen." (Nur zur Erinnerung: Das "aus der Front zurückziehen" bestand in dem Verlust der beiden Schiffe und insgesamt 679 Mann Besatzung.)

Aber es kommt leider noch etwas schlimmer, denn es wird Geschichte sogar verfälscht: In der Einleitung finden wir Aussagen, wie die folgende: "Diese [die Jeune École] plädierte für den ausschließlichen Bau von Kreuzern. Sowohl der Kaiser als auch Tirpitz mit dem Reichsmarineamt waren über einen gewissen Zeitraum diesen französischen Ideen gegenüber nicht abgeneigt." Mag die Aussage für die bekannt schwankende Haltung des Kaisers ja noch zutreffen, so ist sie für die Person Tirpitz’ hanebüchener Unsinn. Durch das ganze militärische Leben Tirpitz‘ zieht sich wie ein roter Faden die Idee der Flottenschlacht zur Erringung der Seeherrschaft. Mit dieser sollte dann gleichzeitig der Schutz des weltweiten Handels gesichert werden. Ja, er ging in der ersten Dekade des 20. Jh. soweit, die Kritiker seiner Ideen, vor allem Galster und Maltzahn, mittels eines Veröffentlichungsverbots mundtot machen zu lassen, weil jene den Gedanken des überseeischen Kreuzerkrieges erneut ins Spiel brachten - etwas, das seiner Meinung nach den geregelten Aufbau der Flotte nur stören konnte. Als kleine Randbemerkung sei nur erwähnt, daß auch die Behauptung, die Jeune École hätte sich allein auf den Bau von Kreuzern fokussiert, einer näheren Betrachtung nicht standhält, da die Ideen jener in einer ausgewogenen Strategie aus Küstenschutz und Kreuzerkrieg bestanden.

Ein Wort muß erneut noch zu den dieser Buch-/Heftveröffentlichung wiederum attachierten Pläne gesagt werden. Zum einen wird verschwiegen, daß die den Plänen zugrunde gelegten Zeichnungen der Fürst Bismarck - aus dem "Leitfaden für den Unterricht im Schiffbau, Berlin,1908" stammend - nur einen der Vorentwürfe des Schiffes darstellen (für Modellbauer immerhin nicht ganz unwichtig!), zum zweiten, daß die auf einem Blatt ergänzend dargestellten Zeichnungen der Steuereinrichtung eines Großen Kreuzers nicht zur Fürst Bismarck gehören, sondern zur Prinz Heinrich. Nicht weiter eingegangen werden soll hier auf die Qualität der den Text begleitenden Schiffsskizzen, nur so viel sei gesagt: Wie gut war Erich Gröner doch bereits im Jahre 1936!

Als Fazit des Ganzen kann man feststellen, die Gesamtedition Buch-Heft-Plan präsentiert sich wieder einmal aus einem Guß. Über die Güte dieses Gusses sollte anhand vorstehender Äußerungen allerdings kein Zweifel mehr bestehen.

Dirk Nottelmann (2002)


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