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Die deutsche Seekriegsleitung im Ersten Weltkrieg

Autor: Gerhard Granier
Titel: Die deutsche Seekriegsleitung im Ersten Weltkrieg
Untertitel: Band 3, Materialien aus dem Bundesarchiv – Heft 9
Seiten: 676
Verlag: Bundesarchiv
Ort, Jahr: Koblenz, 2000
ISBN 3-89192-098-9

Mit dem vorliegenden Band wird die Serie über die (als Institution nahezu nicht vorhandene) "Deutsche Seekriegsleitung" im ersten Weltkrieg fortgesetzt, deren erste Bände vor gut eineinhalb Jahren bereits Gegenstand der Würdigung waren.

Der Aufbau auch des vorliegenden Bandes entspricht seinen Vorgängern, nur daß er sich ausschließlich dem U-Bootkrieg widmet: Anschließend an die allgemein gehaltene Einführung finden wir das erste Dokument vom 4.11.1914, in dem der Chef des Admiralstabes seinen Untergebenen die Frage einer U-Bootblockade Großbritanniens zur Prüfung vorlegt. Das letzte Dokument datiert vom 21.10.1918, durch welches das Verbot des Handelskrieges mit U-Booten ausgesprochen wird. Die dazwischen liegenden 280 Dokumente sind schwerer Stoff, da ihr Inhalt unweigerlich polarisieren muß. Neben dem Entsetzen über die offensichtliche Planlosigkeit der politischen und militärischen Führung des Reiches in jenen entscheidenden Jahren, welche allerdings auch auf anderem Wege inzwischen bekannt geworden sein dürfte, bleibt einem nur die Möglichkeit des Glaubens, entweder an die Stichhaltigkeit der Argumente der Militärs – deren Gehalt selbstverständlich durch die Niederlage völlig offen gelegt und entwertet wurde – oder an das vorsichtige aber gleichermaßen weltfremde Taktieren der Politiker. Nein, es ist wahrhaftig keine erbauliche Kost, die wir hier vorgesetzt bekommen, zumal – man muß es so hart ausdrücken – schnell eine gewisse Monotonie eintritt, in den lang andauernden Schriftwechseln beim "Tanz um das goldene Kalb", die Führung des uneingeschränkten U-Bootkrieges. Das mag allerdings auch daran liegen, daß der Rezensent nicht unbedingt ein "U-Boot-Freak" ist, und sein Interesse, wenn, dann eher den operativen Geschehnissen zuneigt.

Unbedingt erleichternd für das Verständnis der jetzt vorgelegten Sammlung, wenn auch bekanntlich mit einer entschiedenen Wertung versehen, ist das vor kurzem an dieser Stelle rezensierte Buch von Joachim Schröder: "Die U-Boote des Kaisers", welches sich unter anderem auf einen Teil der an dieser Stelle publizierten Quellen stützt, ja, stützen mußte, da es sich teilweise ohne Frage um Schlüsseldokumente handelt. Insofern befruchten sich diese beiden Veröffentlichungen hier gegenseitig, wenn auch "Granier" nur die Dokumente liefert, aus denen sich jeder Leser seine eigene Wertung erstellen kann.

Trotz aller Mühen beim Durcharbeiten des Bandes bleibt eines deutlich festzuhalten: Die anläßlich der Rezension der ersten beiden Bände gezogene Zwischenbilanz kann weiterhin voll unterstrichen werden, nämlich, daß es sich bei dem Gesamtwerk um eine unverzichtbare Fundgrube handeln wird.

Dirk Nottelmann (2000)


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