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Die deutsche Seekriegsleitung im Ersten Weltkrieg

Autor: Gerhard Granier
Titel: Die deutsche Seekriegsleitung im Ersten Weltkrieg
Untertitel: Band 4, Materialien aus dem Bundesarchiv – Heft 9
Seiten: 527
Verlag: Bundesarchiv
Ort, Jahr: Koblenz, 2004
ISBN 3-89192-112-8

Der hier vorgelegte Band 4 beschließt eines der wichtigsten Quellenwerke zur Geschichte der Kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Konnten wir in den ersten beiden Bänden ausgewählte Dokumente zum Seekrieg in Nord- und Ostsee finden, im dritten Band solche zum Handelskrieg mit U-Booten, so lernen wir im Abschlußband einiges zum Thema Kriegführung im Mittelmeer und Schwarzen Meer sowie zur Bildung der eigentlichen Seekriegsleitung in den letzten Monaten des Krieges – also dem eigentlichen Titelthema. Insbesondere letzterer Bereich zählt ohne Frage zu den Lieblingsthemen des Herausgebers, beschäftigte er sich doch bereits vor mehr als 20 Jahren, anläßlich seiner Biographie Magnus v. Levetzows, intensiv mit ihm.

Der Gesamtbereich „Mittelmeer" umfaßt die Zeit vom 1. August 1914, der Frage nach der Verwendung der Goeben im Kriegsfall, bis zum 26. Oktober 1918, dem Befehl an die U-Boote, die Stützpunkte von Pola und Cattaro zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren. Dazwischen lernen wir die grundsätzlichen Diskussionen über die Entsendung von Booten ins Mittelmeer kennen, ebenso wie beispielsweise eine Denkschrift des Admiralstabes vom Januar 1916, über die grundsätzliche Führung des U-Bootkrieges im Mittelmeer. Aber es sind nicht nur die U-Boote, die hier thematisiert werden, sondern beispielsweise auch das Ersuchen des türkischen Hauptquartiers an den Admiralstab, Personal abzustellen zur Bildung einer Flußetappe in Mesopotamien, welche allerdings weiterhin der Mittelmeerdivision unterstellt bleiben sollte.

Die letzten 77 Dokumente des Werkes beziehen sich dann auf die Bildung einer „Seekriegsleitung" der Kaiserlichen Marine, bzw. deren Tätigkeit in den letzten vier Monaten des Krieges. Bekanntlich war die Einrichtung einer derartigen Organisation ein „ganz heißes Eisen", wurde dem Kaiser doch auf diesem Wege der so intensiv geliebte direkte Oberbefehl über die Flotte entzogen, quasi eine Rücknahme der „Allerhöchsten Kabinettsorder" vom 14. März 1899, mit der das „Oberkommando der Marine" auf Drängen Tirpitz aufgelöst worden war. Lange umkämpft, kam dieser wichtige Schritt zu spät, um noch Auswirkungen auf den Kriegsverlauf zu zeigen, letztlich handelte es sich nur noch um ein Abwickeln des Niederganges. Dennoch finden wir in den Akten noch reichlich Aktivitäten, vom Aufstellen neuer Bauprogramme, bis hin zur Planung von Operationen, wie „Schlußstein". Doch in dem großen Strudel der Ereignisse waren das nur noch Nebensächlichkeiten, wie beispielsweise das Dokument 706 vom 8. November 1918 zeigt, betitelt „Entwicklung des Aufruhrs in der Flotte". Somit ist es nur Konsequent, daß das Dokument 708 die Darstellung beschließt: „Inkrafttreten des Waffenstillstands", gegeben zu Spa am 11.11.1918, gez. Scheer.

Doch mit dem Voranstehenden ist nur die Hälfte dieses Abschlußbandes behandelt, denn es handelt sich ja um ein wissenschaftliches Werk. Mindestens genauso wichtig für seine Benutzung sind die folgenden Abschnitte, „addenda et corrigenda (für die Bände 1-3), „Quellen und Literatur" sowie ein umfangreiches Register, aufgeteilt in Personen, Örtlichkeiten, einen Sach- sowie einen Schiffsindex, für alle Bände.

War es anläßlich der Rezension der ersten beiden Bände seinerzeit noch eine bereits begründete Hoffnung, so kann man nach Erscheinen des Abschlußbandes mit Bestimmtheit festhalten: Diese Serie gehört zum unverzichtbaren Inventar eines Bücherschranks jedes ernsthaft an der Zeitgeschichte interessierten.

Dirk Nottelmann (2004)


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