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Die Sonaranlagen der deutschen Unterseeboote

Autor: Eberhard Rössler
Titel: Die Sonaranlagen der deutschen Unterseeboote (2. erweiterte Auflage);
Seiten: 212
Abbildungen: über 150 Abbildungen (Skizzen, Farb- und s/w-Fotos)
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 2006
ISBN 3-7637-6272-8

Nach der Neuauflage seines Buches über die deutsche Torpedoentwicklung im Jahre 2005 legt Deutschlands renommiertester Fachautor über die technische U-Bootsentwicklung und artverwandter Gebiete hiermit auch die Aktualisierung für sein wohl anspruchsvollstes Buch vor, dessen Erstausgabe im Jahre 1991 erschien. Anspruchsvoll bedeutet hier, daß der Leser über ein gerüttelt Maß an elektro-physikalischen Kenntnissen besitzen sollte, um es in Gänze verstehen zu können. Trotz der Gabe des Autors, technische Zusammenhänge verständlich zu machen, ist es sein am wenigsten "eingängiges" Werk, was an der Materie per se liegt.

Der Beginn der Thematik fällt nicht mit dem Beginn der U-Bootentwicklung zusammen, sondern wurde durch ein singuläres Ereignis angeschoben. In ihren ersten Jahren waren U-Boote bekanntlich unter Wasser nahezu blind und taub, was ihrem Waffeneinsatz - wenn überhaupt schon vorgesehen - sehr enge Grenzen setzte. Das ebenfalls erst in verläßlicher Form zu entwickelnde Periskop half in gewissen Bereichen, hatte jedoch immer auch eine verräterische Komponente. Zu Hilfe kam dann ausgerechnet die Titanic-Katastrophe, nach welcher überall die Forschung auf dem Gebiet der Wasserschalltechnik intensiviert wurde; primär die Echolottechnik, als Horizontallot eingesetzt zum Aufspüren in der Kurslinie befindlicher Eisberge.

Das zweite "Standbein" auf dem Weg der Weiterentwicklung der Wasserschalltechnik war die Kommunikation zwischen getauchtem Boot und einem zweiten Fahrzeug, getaucht oder an der Wasseroberfläche fahrend. Die Basis hierfür waren anfänglich Schallemitter, die als reine Warnsignale - beispielsweise an Bord von Feuerschiffen - fungierten, oder aber mittels des Morsealphabets Töne aussandten, welche durch Hydrophone aufgenommen und gelesen werden konnten. Die Entwicklung derartiger Unterwassertelephonieanlagen in der Kaiserlichen Marine begann im Jahre 1910, frontreif wurden die Anlagen allerdings erst im Jahre 1916.

Die nachhaltigste und bis heute andauernde Entwicklung fand aber auf einem dritten Sektor statt, nämlich im Bereich der aufgrund ihrer passiven Sensoren am wenigsten verräterischen Horchtechnologie. Diese war eigentlich zunächst nur ein "Abfallprodukt" der Unterwassertelephonie, als deren Empfänger nicht nur die Schallwellen der eigentlichen Sender aufnahmen, sondern auch die Schraubengeräusche ansonsten sehr leiser Kolbendampfmaschinenanlagen. Was bereits bei diesen funktionierte, mußte bei vergleichsweise lauten Turbinenanlagen desto bessere Ergebnisse liefern. Als größtes Problem bei dieser Ortungstechnik erwiesen sich die Geräusche des eigenen Schiffes, welche schwache Geräusche aus der Entfernung schlicht und einfach übertönten. Von der reinen Geräuschaufnahme war es dann nur noch ein kurzer Weg zur Hochpeilung, welche den Einsatz mindestens zweier, üblicherweise aber einer Vielzahl davon, Hydrophone zur Voraussetzung hatte. Doch diese Technik kam für den Einsatz im Ersten Weltkrieg zu spät.

Zwischen den Kriegen widmete man sich zunächst der Entwicklung des vertikalen Echolotes, bevor mit dem Wiederaufbau vor allem der U-Bootwaffe ab 1935 auch das passive Horchen in Form des bekannten "Gruppenhorchgerätes" forciert wurde. Um nicht jeden einzelnen Entwicklungsstrang hier vorstellen zu müssen, sei gesagt, daß die weitere Entwicklung bis 1945 mit 150 Seiten den Löwenanteil des Buches einnimmt. Im Prinzip trifft es auch hier wieder zu, daß jede Weiterentwicklung bis auf den heutigen Tag in der damaligen Zeit bereits theoretisch durchdacht worden ist. Bei Kriegsende stand der rein auf passiver Ortung beruhende Schußwertrechner für Torpedos vor der Frontreife, der insbesondere im Verein mit den "Lageunabhängigen-Torpedos" den Seekrieg zu revolutionieren versprach. Aber das war halt 1945.

Die neugegründete Bundesmarine konnte dann allerdings auf die damaligen Erkenntnisse zurückgreifen, wenn auch deren Einsatzspektrum mit der Verteidigung der Ostseeausgänge recht eindimensional war. Hier kam es erneut primär auf passive Ortung an, verbunden mit extrem geringer Eigenschallemission, da sich die Boote im flachen Wasser aufgrund eingeschränkter Aktivortungsmöglichkeiten durch Überwasserschiffe im Prinzip nur selbst verraten konnten. Mit einer Ergänzung der ersten Auflage im Hinblick auf die in den 90er Jahren erfolgte Entwicklung der deutschen U-Bootklasse 212 und ihrer Ortungsmöglichkeiten - welche aus verständlichen Gründen nicht in derselben Tiefe wie bei den historischen Prozessen erfolgt -, sowie eines Ausblicks hinsichtlich der Rolle der U-Boote und ihrer Ortungsanlagen im Umfeld der heutigen asymmetrischen Bedrohung schließt das Buch.

Wie bereits eingangs erwähnt, auch wenn wir es hier nicht mit wirklich eingängigem Lesestoff zu tun haben, bleibt auch für dieses Buch nur das Prädikat "Standardwerk" übrig. Mehr braucht nicht kommentiert zu werden.

Dirk Nottelmann (2007)


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