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Die Unterseeboote der Kaiserlichen Marine

Autor: Eberhard Rössler
Titel: Die Unterseeboote der Kaiserlichen Marine
Seiten: 232
Abbildungen: zahlreiche Abbildungen
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 1997
ISBN 3763759638

Ein neues Werk von Deutschlands führendem Fachautor zum Thema "Deutscher U-Bootsbau" und verwandten Themen - und doch auch wieder kein neues Werk! Dem 90. Jahrestag der Indienststellung des ersten deutschen U-Bootes U l am 14.12.1906 gewidmet, nahm sich der Autor seinen eigenen 1979 erschienenen Teilband "Die deutschen U-Boote und ihre Werften, Bd. l" zur Grundlage und überarbeitete diesen. War das Resultat der Mühe wert, bietet das Buch auch jenen etwas, die den/die früheren Band/Bände ihr eigen nennen? Der Rezensent beantwortet die Frage mit einem eindeutigen "Ja".

Zu diesem Resultat tragen einige Aspekte bei. Da sind zunächst die einleitend im vollen Wortlaut zitierten Berichte "Stand des Unterseebootswesens; RMA, Berlin 1911 (Geheime Dienstschrift der Kaiserlichen Marine Nr. LXIII)" sowie "Die Entwicklung des Uboots seit Beginn des Krieges [...ganz geheim! Rez.], (Bericht der Uboot-Inspektion über die Ubootentwicklung bis Herbst 1916)". Beide geben einen dem breiten Leserkreis bisher unbekannten Einblick, wie die Marine eigentlich mit ihrer ureigensten Konstruktion zufrieden war und was man hoffte, in Zukunft noch zu verbessern. Es sind ungemein wichtige, nüchterne Dokumente, zumal die Nachkriegsliteratur - je nach Coleur - diese Waffe sehr stark polarisierend und keineswegs neutral sah. Der Autor rundet diese amtlichen Berichte dann noch mit Informationen ab über die letzten Entwicklungen bis zum Kriegsende, wie sie sich aus neuer Sicht darstellen, sowie mit einer kurz gefaßten Übersicht über die Tätigkeit der deutschen Uboot-Konstrukteure nach dem Krieg; stellvertretend sei hier nur das IvS (Ingenieurkantoor vor Scheepsbouw) genannt. Zu diesem Kontext verweist er allerdings auf die ausführlichere Darstellung in seinem früheren Werk, da nicht mehr direkt in den Rahmen "kaiserliche U-Boote" gehörend.

Der folgende Abschnitt, den Bootsbau auf den einzelnen Werfen behandelnd, ist nahezu unverändert aus dem Vorgängerwerk übernommen; hinzugekommen bzw. ausgetauscht sind allerdings einige Fotos. Bei den hinzugefügten stellt insbesondere die Serie mit gestochen scharfen Aufnahmen einiger Werftmodelle eine echte Bereicherung dar - einmal mehr die Theorie unterstreichend, daß der visuelle Eindruck eines exzellenten Modells sogar noch über die Abbildung des Original zu stellen ist.

Neu ist auch der folgende Abschnitt, der die Ereignisse um das Kriegsende und darauf minutiös jene um die Auslieferung der Boote schildert. Es folgen die schon bekannten "Hauptangaben der deutschen U-Boote der Kaiserlichen Marine", und, zum Abschluß, das zweite echte "Highlight": Konstruktionszeichnungen zu nahezu jedem Bootstyp der Kaiserlichen Marine. Der Autor ist damit der erste, der aus dem neuerdings (wieder) vorhandenen, ungeheuren Zeichnungsschatz/Planarchiv der deutschen Marine schöpft. Hier gilt es auch uneingeschränkt den Verlag zu loben, daß dieser den Mut besaß, 70 Seiten mit ausschließlich Zeichnungen - größtenteils faksimilierten Originalplänen - in das Buch zu integrieren, ist doch diese Veröffentlichungspraxis in Deutschland bisher eher ungewöhnlich! Mag es auch ketzerisch klingen und einem vermeintlich wissenschaftlichen Anspruch eher entgegen stehen: eine Veröffentlichung in der vorliegenden Form ist nach Ansicht des Rezensenten am ehesten geeignet, den elektronischen Medien Paroli zu bieten - sachlich und informativ im Text, so umfangreich wie möglich im visuellen Teil.

Was allerdings weiterhin fehlt, auch nach Erscheinen dieses Buchs, ist eine Geschichte der Unterseeboote der Kaiserlichen Marine! Hier hat Grießmer mit seinem Werk über die "Großen Kreuzer" Maßstäbe gesetzt, denen auf Seiten der Ubootentwicklung - insbesondere bis hin zu U l - nur fragmentarisches Material gegenüber steht. Dies ist aber nicht als Kritik an dem vorliegenden Buch zu verstehen, das jedem an der Materie nur halbwegs Interessierten an das Herz gelegt werden kann - er wird es in den meisten Fällen ohnehin schon im Schrank stehen haben -, sondern als Anregung zur weiteren Forschung.

Dirk Nottelmann (1997)


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