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Deutsche Großkampfschiffe 1915-1918

Autoren: Friedrich Forstmeier / Siegfried Breyer
Titel: Deutsche Großkampfschiffe 1915-1918
Ausgabe: 2. Auflage / Sonderausgabe
Seiten: 98
Fotos: 2
Faksimile: 6
Skizzen: 114
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 2002
ISBN 3-7637-6230-2

In seinem Pressetext schreibt der Verlag wörtlich: „Dem Werk der späten 60er Jahre ist auch heute nichts hinzuzufügen, es wurde daher unverändert belassen“. Er trifft mit dieser Aussage den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf, handelt es sich hier doch nach wie vor um ein unverzichtbares Standardwerk deutscher Marinegeschichtsschreibung. Jahrzehnte lang gehörte es zu den gesuchteren Werken auf dem Antiquariatsmarkt und auch der Rezensent brauchte vergleichsweise lange, um endlich ein Exemplar der Originalausgabe zu ergattern. Ein früherer Reprint wäre von vielen wohl begrüßt worden, doch ist es bei einem derart zeitlosen Werk nie zu spät.

Ein guter Grund für die jetzige Neuauflage findet sich aber in zwei Veröffentlichungen aus der Mitte/dem Ende der 90er Jahre, den beiden Büchern „Grießmers“ über den deutschen Großkampfschiffbau bis zum Kriegsausbruch 1914. Aufgrund der selbstgesetzten zeitlichen Begrenzung dieser nach wie vor als Maßstab der Dinge dienenden Bücher tauchte erneut die Frage nach den weiteren Planungen während des Krieges auf; eine Frage, die eigentlich 1970 mit der Erstauflage des vorliegenden Buches bereits beantwortet worden war.

Inhaltlich ist das Werk zweigeteilt, den ersten Teil nimmt dabei die historische Darlegung über die Entwicklung der Typenfrage deutscher Großkampfschiffe während des I. Weltkriegs ein. Diese muß heutzutage unter einem ganz neuen Licht betrachtet werden, wissen wir doch seit „Grießmer“, daß die Finanzierung der Flotte eigentlich an ihrer Grenze angekommen war, was durch die Festlegung des Schiffbaues auf einen neuen, vermeintlich kostengünstiger zu haltenden Einheitstyp, die Bayern-Klasse, ausgeglichen werden sollte. Auf der Seite der Großen Kreuzer galt „Ersatz-Victoria Louise“ dagegen als das neue Maß der Dinge. Hier wird nun schlüssig dargestellt, daß ab 1915 die finanzielle Seite nur noch eine untergeordnete Rolle spielte, bei den durch den Krieg ohnehin zerrütteten Reichsfinanzen durften die Mehrbelastungen durch noch größere Schiffe keine Rolle mehr spielen, nur noch militärische Gesichtspunkte. Interessant dabei ist weiterhin auch der seit Beginn des Baues der Flotte nach Gesetz zwischen dem Kaiser und Tirpitz ausgetragene Streit über das „Schnelle Linienschiff“, die von Tirpitz etatrechtlich so gefürchtete Verschmelzung des Linienschiffs und des Großen Kreuzers. Dieser setzte sich auch in der besprochenen Zeit unvermindert fort, auch unter dessen Nachfolger Capelle.

Auffällig ist weiterhin der fortschreitende Hang zur Irrationalität der Planungen, wie wir es 25 Jahre später bei den Studienentwürfen „H42“, „H43“ und „H44“ erneut kennenlernen. Man darf getrost davon ausgehen, daß eine Vielzahl der hier behandelten Entwürfe reine Studienarbeiten zum Ausloten des Machbaren unter bestimmten militärischen und auch nautischen Anforderungsprofilen gewesen sind. Dabei zeigt sich allerdings mit erschreckender Deutlichkeit auch die durch die Geschichte der kaiserlichen Marine verfolgbare Tatsache, daß die Konstrukteure (meistens noch immer durch den Kaiser mit seinen Ideen getrieben) ausländischen Entwürfen häufig einen Schritt hinterher waren, etwas erfanden, was anderenorts (hauptsächlich in der Royal Navy) bereits als ein Irrweg erkannt worden war.

Die unbedingt erforderliche visuelle Unterstützung des Geschilderten finden wir im zweiten großen Abschnitt des Buches, in Form einer großen Anzahl der von Siegfried Breyer nach seinem bewährten Muster gezeichneten Typskizzen der Entwürfe. Jene machen uns erst so recht klar, was da eigentlich teilweise für Monstrositäten auf den Reißbrettern untersucht wurden. Man darf bei all jenem auch nicht die Lage des Reiches in den geschilderten Jahren vergessen, wo eigentlich nur noch das U-Boot als letzte echte Hoffnung verblieben war und die Planungen für Großkampfschiffe nicht nur dilatorisch behandelt, sondern häufig genug zwischen den einzelnen Dienststellen auch noch massiv verzögert wurden, nachdem die Großkampfschiffe ihre vermeintliche „Nutzlosigkeit“ unter Beweis gestellt hatten. Übrigens gibt es eine analoge Entwicklung auch in Österreich-Ungarn zu beobachten.

Das Fazit der Neuauflage ist schnell gezogen: Endlich ist einer der echten Klassiker der deutschen Marinehistoriographie wieder erhältlich, jeder auch nur am Rande Interessierte sollte zugreifen!

Dirk Nottelmann


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