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Große Kreuzer der Kaiserlichen Marine 1906-1918

Autor: Axel Grießmer
Titel: Große Kreuzer der Kaiserlichen Marine 1906-1918
Untertitel: Konstruktionen und Entwürfe im Zeichen des Tirpitz-Planes.
Seiten: 206
Fotos: 48
Skizzen: 44
Falttafeln: 6
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 1995
ISBN 3763759468

Es ist das größte Vergnügen eines Kritikers, wenn er einmal ein Buch uneingeschränkt loben kann und nicht, wie zumeist vermutet wird, seinem Titel dadurch Ehre machen muß, daß er einen Verriß produziert. Doch, um den ewig gültigen Schiller zu zitieren, "das Werk es soll den Meister loben..." und dieser Fall liegt hier eindeutig vor: Dieses Werk lobt seinen Meister und bedarf eigentlich keiner weiteren Lobpreisungen. Der noch junge Historiker Axel Grießmer legt mit dieser Arbeit das Standardwerk über die Entwicklung der deutschen Großen Kreuzer - nicht Schlachtkreuzer - ab jener Zeit vor, in der sich, der englischen Entwicklung zwangsläufig folgend, eine Zäsur in der Geschichte dieses Schiffstyps (vermeintlich) abzeichnet. Dabei zieht sich ein roter Faden durch die Darstellung, dessen Ausformulierung sogar der bessere Untertitel für das Buch gewesen wäre, etwa folgendermaßen: "[...] 1918, Tirpitz' Kampf um die Erfüllung seiner Flottengesetze!" Dieser Kampf mußte nicht nur gegen die allgemein bekannten außenpolitischen Einflüsse geführt werden, nein, der Admiral hatte in sein System ungewollt immanente Schwächen eingebaut, die erst im Rahmen der nötigen, rapiden Kampfwertsteigerungen insbesondere der Großen Kreuzer zu einer Zeitbombe wurden, die ihn jede neue Budgetverhandlung über das Schiff des kommenden Haushaltsjahres fürchten lassen mußten. Diese weitgehendst unbekannten Zusammenhänge einer breiten Öffentlichkeit erstmals zu präsentieren, ist das Verdienst von Autor und Verlag. Ohne dieses Buch gelesen zu haben, ist künftig keine ernsthafte Diskussion auch über Aussehen und theoretischen Kampfwert der genannten Schiffe mehr möglich. Dabei zeigt der Autor auch noch eine, reinen Historikern leider nicht immer gegebene Sachkenntnis über militärtechnische Aspekte des Themas. Eines muß im Rahmen dieser Besprechung allerdings unbedingt erwähnt werden: Es ist kein Buch für Einsteiger in die Materie! Vorkenntnisse um die politischen Rahmenbedingungen, die militärischen Entwicklungen, auch in Übersee, und nicht zuletzt auch die technischen Fortschritte sind unbedingt vonnöten. Es vermittelt auch kein "Lesevergnügen", dafür als wissenschaftliches Werk: "Fakten, Fakten, Fakten" (Zitat).

Zu diesen Fakten kommt noch eine sinnvoll ausgewählte Anzahl von Fotos, die allerdings in der Reproduktion hätten besser sein können, eine Anzahl von Projektskizzen, die jedoch für die späteren Schiffe leider (vielleicht aber auch naturgemäß) etwas spärlicher ausfallen - das Aktenmaterial über die deutschen Marinen harrt halt immer noch der umfassenden Erschließung - sowie 6 lose eingelegte Falttafeln, die die behandelten Schiff in Form sehr gut gezeichneter General- und Detailpläne zusätzlich zeigen.

Ein kleiner Seitenhieb allerdings kann zumindest der Pressestelle des Verlages nicht erspart werden. Das Buch ist dermaßen gut, warum es noch mit Federn schmücken, die es beim besten Willen nicht tragen kann? Ein Beitrag zur Ursachenforschung des Ersten Weltkriegs, wie behauptet, ist es nicht; zwischen den Zeilen dieser emotionslosen Darstellung ist deutlich herauszulesen, wie bemüht die deutsche Seite zumindest auf dem behandelten Gebiet war, England nicht zu brüskieren.

Im Vorwort schreibt der Autor, daß eine gleichwertige Darstellung für die übrigen Schiffstypen der Flottengesetze noch aussteht. Es sei der Wunsch gestattet, daß der zu erhoffende Erfolg dieses Werkes ihn zu der weiteren Beschäftigung auch mit jenen ermutigt und dem Marinebuch des Jahres 1995 noch weitere der Jahre 199x und 199y folgen werden. Herzlichen Glückwunsch Herr Grießmer!

Dirk Nottelmann (1996)


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