Symbol des AK Krieg zur See 1914-1918 Das Buchschapp

Hauptseite
Arbeitskreis
Nachrichtenblatt
Buchschapp
Buchbesprechungen
Impressum

Einkaufen bei Amazon.de

Die Kaiserliche Marine im Ersten Weltkrieg

Autoren: Jörg-Michael Hormann, Eberhard Kliem
Titel: Die Kaiserliche Marine im Ersten Weltkrieg
Untertitel: Von Wilhelmshaven nach Scapa Flow
Seiten: 161
Abbildungen: 207 farbige Abbildungen
Verlag: Bücher Verlag
Ort, Jahr: München, 2014
ISBN: 978-3-7658-2031-1

Beim ersten Durchblättern des Buches fällt sofort die Vielzahl der Abbildungen auf. Zum Teil sind dies bisher selten gezeigte Darstellungen wie z. B. das Gemälde mit S.M.S. Seydlitz im Trockendock (S.15). Auch das Umschlagbild mit der Dwarslinie deutscher Schlachtschiffe verschiedener Klassen (König, Bayern, Ostfriesland) ist hervorragend gewählt, ermöglicht es doch dem Betrachter den unmittelbaren und authentischen Vergleich verschiedener Bauperioden.

Allerdings fallen auch schon bei der Betrachtung der Abbildungen böse Stockfehler auf. So sind auf Seite 76 Moltke und Seydlitz abgebildet, eigentlich ein sehr schöner direkter Vergleich, wenn nicht die Bildunterschrift das untere Schiff als S.M.S. Derfflinger ausweisen würde. Konsequent setzt sich dieser Fehler auf der nächsten Seite fort, die Luftaufnahme wird der Seydlitz zugeschrieben, obwohl der gut erkennbare Dreibeinmast – der erst mehr als ein Jahr nach der im Text geschildeten Doggerbank-Schlacht an Bord kam – S.M.S. Derfflinger klar identifizieren lässt.

Aber auch inhaltlich greift die Bildbeschreibung schon mal ordentlich daneben. Da heißt es in Zusammenhang mit den Aktivitäten der S.M.S. Goeben unter türkischer Flagge: „S.M.S. Goeben im Zuge eines Einsatzes gegen die zaristische Schwarzmeerflotte im Jahr 1918 aufgelaufen bei Imbros.“(S. 52) Nein, wie alles andere zaristische war 1918 auch die zaristische Schwarzmeerflotte Teil der Geschichte geworden, Imbros liegt im Mittelmeer und der Einsatz der Goeben richtete sich gegen britische Streitkräfte, von denen immerhin zwei Monitore versenkt wurden, was hier aber unerwähnt bleibt!

Die Gliederung des Buches, eine Mischung aus chronologischer Abfolge und räumlicher Zuordnung zu Kriegsschauplätzen, ist so durchaus vertretbar. Geht man jedoch in den Text hinein, fallen auch darin haarsträubende Fehler auf. So ist auf Seite 83/84 nachzulesen, dass das V. britische Schlachtgeschwader mit fünf Schlachtschiffen vor dem Skagerak in das Geschehen eingriff. Nein, wie vielerorts nachzulesen ist, blieb das Typschiff HMS Queen Elizabeth zuhause und der britische Admiral Evan-Thomas musste sich mit Warspite, Barham, Valiant und Malaya begnügen. Zum gleichen Ereignis wird dann auf Seite 87 ausgeführt: „In den unübersichtlichen Nachtgefechten verloren die Engländer zwei alte Panzerkreuzer, die vollkommen überraschend auf die deutsche Kiellinie stießen und in Minuten durch die deutsche schwere Artillerie auf kürzeste Entfernung versenkt wurden.“ Der Ablauf ist so grundsätzlich richtig, es war aber nur ein Panzerkreuzer, die HMS Black Prince, der dieses Schicksal wiederfuhr.

Es bedarf meines Erachtens auch der Kritik an der Zusammenstellung der Themen. So ist dem Kampf um Gallipoli ein eigenes Kapitel gewidmet, obwohl die Kaiserliche Flotte hier keinen sehr großen Anteil hatte und mehr im Hintergrund wirkte. Das Gefecht bei Gotland im Juli 1915 sucht man aber im Kapitel über die Geschehnisse in der Ostsee vergeblich, ebenso wird das Kreuzergefecht in der Nordsee 1917 nirgendwo erwähnt. Auch wenn die Ergebnisse dieser Gefechte jeweils unspektakulär waren, bestimmten solche unentschiedenen Kampfereignisse den Kriegsverlauf zur See mit, denn sie wirkten auf die Entscheidungen der Admiräle und Stäbe.

Die weltanschauliche Wertung der Kriegs- und Nachkriegsereignisse um die Kaiserliche Flotte ist sicher stets sehr persönlich. Nur sollten die Informationen und Bilder, die eine Beurteilung ermöglichen, so umfassend und möglichst wenig tendenziös sein, dass jeder Leser seine Meinung auf eine geschichtlich korrekte Basis stützen kann. Das Kapitel um die Selbstversenkung der Kaiserlichen Flotte in Scapa Flow ist sicher eines der schwierigsten, wenn es um mehr als nur die reine Faktenschilderung geht. Wer die unsägliche Dolchstoß-Mystik der Weimarer Zeit in vielen Werken über dieses Ereignis sieht, weiß, dass hier Aufklärung Not tut. Das vorliegende Buch hat dies im Ansatz versucht, scheitert meines Erachtens jedoch in der Konsequenz bei der Sprachwahl. So wird ausgeführt, dass Admiral von Reuter sein Flaggschiff wechselte, weil „die Arbeitsbedingungen immer mehr durch den mächtigen Soldatenrat gestört wurden, […]“. Dies klingt recht abgehoben, die brutale Wirklichkeit war wohl eher, dass von Reuter faktisch keine Kommandogewalt über die Mannschaften der Friedrich der Große hatte, und – würde man es modern ausdrücken – Mobbing-Opfer wurde, indem die Mannschaften durch Lärmerzeugung dafür sorgten, dass er nachts nicht schlafen konnte. Neben der politischen Komponente, die die Mannschaftsdienstgrade dabei motivierten, waren es aber auch Hunger aufgrund der schlechten Versorgungslage sowie Kälte und Nässe, die erheblichen Einfluss auf das Handeln hatten. So wollte der größte Teil der Besatzung einfach nur heim, und sei es unter Aufgabe der längst nicht mehr als Wert empfundenen Schiffe. All dies kommt jedoch im Artikel über die Selbstversenkung zu kurz, so dass das „honorige Tun“(S. 150) der Deutschen einen schalen Beigeschmack hinterlässt.

Die Kritik am vorliegenden Werk mag hart erscheinen, es ist aber aus Sicht des Rezensierenden ein wenig eine vertane Chance, mit dem gegebenen Umfang und dem reichen Bildmaterial eine kurze, aber zutreffende Darstellung der Kaiserlichen Marine im Ersten Weltkrieg zu liefern. Vielleicht ist es möglich, in ein paar Jahren eine zweite, stark überarbeitete Auflage herauszugeben, die sich in Bezug auf Faktenfehler und Darstellungsungleichgewicht deutlich vom jetzigen Buch absetzt.

Michael Neuy (2014)


Man brauchte kein Prophet sein, um insgesamt eine Veröffentlichungswelle unterschiedlicher Couleur aus Anlaß des 100-jährigen Ausbruchs des Ersten Weltkrieges vorherzusagen, wobei sich allerdings der deutsche Sprachraum noch stark zurückhält – was mit Blick auf die aktuelle Soziologie unseres Landes nicht wirklich verwundert. Das vorliegende Buch mußte dementsprechend – zumindest in interessierten Kreisen – bei seiner Ankündigung Aufmerksamkeit erregen, da es bislang das erste ist, welches sich – per Titelwahl und Erläuterung im Vorwort – die zeitgemäße Darstellung der Ereignisse zur See auf die Fahnen geschrieben hat. Eine gewisse Hoffnung wurde zusätzlich mit der beworbenen umfangreichen visuellen Ausstattung – (durch) „unveröffentlichte Bilder oder unbekannte Sachzeugen“ – geweckt, zeigte sich doch vor allem in den letzten Jahrzehnten zumindest ansatzweise, wie groß der hinterlassene Schatz an Bildmaterial – trotz aller Wirren der vergangenen 100 Jahre – noch immer ist. Und es stand vor allem anderen von Beginn an die Verlagsankündigung im Raum, das kommende Buch wäre, „[E]rstmals auf neuestem Forschungsstand“, sein Inhalt eine „[E]inmalige Mischung aus exklusiven SW-Fotos und farbigen Darstellungen ausgesuchter Memorabilien“

Was aber bietet das mit derartigen Ansprüchen versehene Buch dem interessierten Leser, sei er Neueinsteiger, Gelegenheitsleser, oder auch „Eingeweihter“ nun wirklich; kann es die hochgesteckten Erwartungen erfüllen?

In 15 Hauptkapiteln werden einzelne markante Themen aus den 51 Monaten des Seekrieges sowie der 7-monatigen Internierung des größten Teils der Flotte selektiert, und in einem abschließenden Kapitel ein Fazit des voranstehenden gezogen.

Keine Betrachtung kommt ohne die einleitende Erklärung aus, die, hier „Entstehung“ genannt, kurz auf die Entwicklung der Kaiserlichen Marine von Stosch bis zum Ausbruch des Krieges eingeht, und dabei Themen wie die Flottengesetze, die strategische Ausrichtung, oder auch die Soziologie des Offizierskorps streift. Um das in seinen Auswirkungen so verhängnisvolle Gefecht bei Helgoland rankt sich dann das erste „echte“ Kapitel zum Kriegsausbruch, den ersten Erfahrungen in der Führung eines Seekrieges sowie den technologischen Lehren. Ein ganzes Kapitel ist dem Thema „U-Boot-Held“ gewidmet, womit nach Lage der Dinge nur Otto Weddingen und seine Fahrt mit U 9 vom 20. bis 23. September 1914 gemeint sein konnte; jener Unternehmung, die das U-Boot als Faktor des Seekrieges fest verankerte. Das schließende Unterkapitel listet endlich summarisch die Erfolge und Verluste der deutschen U-Bootwaffe während des Krieges auf.

Kompakter geht es in dem Kapitel „Ausweitung des Seekrieges – Kreuzerkrieg auf allen Meeren“ zu, welches die Fahrten Graf Spees, der Emden, der übrigen Kreuzer und der Hilfskreuzer subsummiert. Auch der folgende Abschnitt bezüglich der „Mediterrane[n] Kampfzone“ faßt mindestens zwei Ereignisse, nämlich jene um Goeben und Breslau zu Kriegsbeginn, und die späteren Vorgängen um die Gallipolischlacht zusammen.

Noch ein zweites Mal ist der (uneingeschränkte) U-Bootkrieg Thema, vorgestellt unter dem plakativen Titel „Die Torpedierung der Lusitania“, wo wir am Schluß nochmals die bereits oben erwähnten Zahlen zu den Erfolgen der Boote im Handelskrieg lesen können. Die Überwasserkriegsführung ist weiterhin mit den Themen „Beschießung der englischen Ostküste“, „Doggerbankschlacht“, (natürlich) „Skagerrakschlacht“ sowie der Landung auf Ösel vertreten, wobei ein zusätzliches, sonst eher dilatorisch behandeltes Thema: „Torpedobootskrieg im Englischen Kanal“, dem Spezialinteresse eines der beiden Autoren zuzurechnen ist.

Abgerundet werden die genannten Themen durch die Kapitel „Marineluftschiffe“ und „Seeflieger“ sowie die unverzichtbaren Betrachtungen zur Revolution und dem Ende der Flotte. Soviel sei zunächst zu dem präsentierten Themenkanon erwähnt, der dem aufmerksamen Betrachter bereits eines der immanenten Probleme der Darstellung offenbaren dürfte. Doch dazu gleich mehr. Zuvor noch ein Blick auf die Aufmachung, die in unser (übermäßig?) visualisierten Welt mittlerweile dem Inhalt zumindest gleichrangig, wenn nicht sogar vorangestellt wird.

Optisch gibt es da vordergründig nichts zu bemängeln. Buchstäblich keine Seite bleibt ohne Illustrationen, was sich bereits aus der Gegenüberstellung von 161 Buchseiten zu 207 Abbildungen ersehen läßt. Die Reproduktionen sind großformatig, weitgehend scharf wiedergegeben und ebenso weitgehend koloriert – entweder in Duoton, oder sogar vollfarbig. Darf man also Verlag und Autoren zu dieser ersten maritimen Veröffentlichung anläßlich des historisch gesehen so spannenden Jahres gratulieren? Wir denken: Nein! Und wollen auch die Begründung für dieses Verdikt nicht schuldig bleiben.

Um den oben aufgegebenen Faden zur Breite des Themenkanons an dieser Stelle wieder aufzunehmen, sei mit einem Vergleich begonnen. In der Zwischenkriegszeit gab es bekanntlich eine Fülle von deutschen Veröffentlichungen, die sich mit ähnlichen Titeln an die Aufarbeitung und Verklärung des „Krieges zur Beendigung aller Kriege“ machten. Herausragend in seiner Aufmachung – und aufgrund des starken Eindrucks, generell als Vorbild für die heutige Veröffentlichung gedient zu haben, als Vergleich überaus geeignet – ist immer noch das prächtige von Eberhard v. Mantey herausgegebene Werk: „Unsere Marine im Weltkrieg 1914-1918“. Unter Beteiligung diverser hochrangiger Seeoffiziere entstand ein kompakter Überblick über die wesentlichen Aspekte des Krieges – aber nicht in 15 Hauptkapiteln auf 161 Seiten, sondern in 33 Hauptkapiteln auf 489 Seiten!

Und genau darin liegt eine der allzu offensichtlichen Schwächen des hier besprochenen Bandes. Es bleiben viel zu viele Dinge nicht gesagt, geschweige denn auch nur erwähnt; wichtige Dinge, die sogar bei Mantey teilweise nur eine summarische Erwähnung finden konnten. Das Autorenteam stand von vornherein auf verlorenem Posten, den Spagat zu versuchen, zwischen einer in der Seitenzahl begrenzten und daher auch für das „breite Publikum“ halbwegs erschwinglichen Veröffentlichung, und einem auch nur annähernd der Fülle der Ereignisse gerecht werdenden Inhalt.

Das leitet zu einer weiteren – im Sinne der vorangegangenen Bewerbung erstaunlichen – Schwäche über: der Modernität des Inhalts. Ohne Frage ist die Geschichte der Kaiserlichen Marine und des Seekrieges 14-18 in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland ein Stiefkind der historischen Forschung geblieben, was in einem nahezu umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Dokumenten-, Akten-, Quellen-, und auch Fotolage steht, die primär erst in den vergangenen zwei Dekaden durch eine Handvoll von Autoren nadelstichartig genutzt wurde und wird. Anders sieht es bei dem damaligen Hauptgegner zur See aus, wo die Beschäftigung mit der besprochenen Zeit nie endete und – wenn auch zeitweilig sicherlich ebenfalls durch die Aufarbeitung der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges überlagert – eine Fülle moderner Arbeiten hervorgebracht hat. Und schließlich darf man ebenfalls nicht die neue Freigiebigkeit der russischen Archive vergessen, denen schon einige bemerkenswerte Veröffentlichungen zum Ostseekrieg entsprungen sind.

Findet sich etwas von diesen neuzeitlichen Erkenntnissen im neuen Hormann/Kliem wieder? Die positivste Aussage die man dazu treffen kann ist: Sporadisch! Dies allerdings auch nur unter Außerachtlassung fremdsprachlichen Materials, welches im Literaturverzeichnis nicht auftaucht. Wenn aber neuere Erkenntnisse angeführt werden, kommt es wiederum teilweise zu einer nicht akzeptablen Überbewertung oder gar Falschdeutung, wie an folgendem Beispiel exemplarisch gezeigt werden soll. Zitat: „Nach zunächst kontroverser Diskussion billigen mittlerweile Historiker und sowohl deutsche als auch englische Marinefachleute ziemlich einhellig dem Plan [dem berühmt-berüchtigten letzten Auslaufen der Flotte, Ende Oktober 1918] militärische Rationalität und Erfolgsaussichten zu“.

Abgesehen von der Tatsache daß hier die Nennung von „Roß und Reiter“ offen bleibt – dem Rezensenten sind derartige Wandlungen der Einschätzungen des allgemeinen Zustandes der Flotte von 1918 und ihrer Möglichkeiten in den letzten Jahren bislang verborgen geblieben – steht dieser Aussage diametral das nur wenige Seiten zuvor zu Recht vorgelegte Bekenntnis entgegen (sinngemäß), aufgrund mangelnder Übungstätigkeit wäre die Einsatzbereitschaft der Flotte nach der Schlacht im Skagerrak kontinuierlich gesunken. Am Ende wird durch Widersprüche dieser Art der erhobene Anspruch einer modernen und ausgewogenen Betrachtung von Ereignissen und Personen eher konterkariert, denn befördert. Man kann es auch so ausdrücken: Wer die Wahl hat zwischen einer günstigen Erwerbung des mittlerweile 88 Jahre alten „Mantey“ und dem Erwerb des heutigen Buches, ist – bis auf wenige Ausnahmen – mit dem Inhalt des ersteren umfassender und nicht viel antiquierter bedient. Dazu trägt leider auch ein weiterer Punkt bei, dem man sich am besten mit einer bereits häufig gestellten, aber allzeit gültigen Frage nähert.

Darf jeglicher Käufer von Informationen – in diesem Fall in Form eines Buches – erwarten, korrekt und weitest möglich fehlerfrei informiert zu werden? Wer diese Frage verneint, braucht von hier an nicht weiterzulesen – er gehört nicht zur Zielgruppe der folgenden Ausführungen. Wer sie aber bejaht, dem seien einige Worte mit auf den Weg gegeben, insbesondere dann, wenn er sich erst beginnt in die Thematik einzuarbeiten.

Um es klar und deutlich zu sagen: Das Buch strotzt in inakzeptabler Form von Fehlern und belanglosen Aussagen – sei es im historischen Gehalt, sei es in den Bildunterschriften; wenn man diese Punkte überhaupt dividieren will. Zwei Beispiele seien als durchaus repräsentativ angeführt. Nach leidvoller Erfahrung über die Jahre hinweg ist man ja schon fast geneigt, Punkte wie die reine Vertauschung von Schiffsnamen – beispielsweise zwischen Seydlitz und Derfflinger auf den Seiten 76/77 – als belanglos abzutun, wohingegen die Erwähnung des (völlig belang- und bezugslosen) Spitznamens der Derfflinger vermutlich Hintergrundwissen und Autorität suggerieren soll.

Auf Seite 107 finden wir ein bekanntes Foto, hier betitelt: „Die VI. Torpedobootsflottille kurz vor dem Auslaufen zum Einsatz im englischen Kanal und dem Durchbruch nach Zeebrügge. Das dritte Boot von links ist das Führerboot V 69 mit Flottillenchef Max Schultz an Bord“. Abgesehen von der leicht eruierbaren Verbindung zwischen dem genannten Boot und seinem ehemaligen Flottillenchef stimmt nichts an dieser Beschreibung, sie wurde offenbar nur gewählt, um überhaupt eine Abbildung einbringen zu können. Nebenbei bemerkt handelt es sich bei den Booten auf dem Bild um Einheiten der 1. und 2. Halbflottille der Z-Flottille-Flandern mit dem Führerboot V 47, im Spätsommer 1917. V 69 hatte hier längst seine Führerbootfunktion der VI. Flottille verloren und war zur taktischen Nummer 3 der 2. Halbflottille geworden.

Sind diese angeführten Beispiele (sie lassen sich bei Bedarf „ad infinitum“ verlängern) aber wirklich nur belanglose Nachlässigkeiten oder steckt System dahinter. Ändert sich etwas an der Gesamtaussage des Buches durch solche Unsauberkeiten? Wir denken trotz aller möglichen Einwände: Ja – wenn auch vielleicht erst auf den zweiten Blick ersichtlich. Kein Mensch ist gegen Fehler gefeit, aber – wenn man einmal das nur auf den ersten Blick für diesen Fall überzogen scheinende ISO-Zertifizierungssystem heranzieht – es sollten zumindest Vorkehrungen gegen ihr Auftreten getroffen werden. Wer garantiert dem Interessenten, dass die vermeintlich kleinen Fehler einer vertauschten Bildunterschrift, die er vielleicht sogar noch selbst bemerkt, sich nicht im Großen fortsetzen? Die hier vorliegende Massierung dieser Fehler aber lässt kaum weniger als den Schluss zu, dass eine Korrektheit der Aussage(n) nicht auf der Prioritätenliste gestanden haben muss.

Was soll man einem potentiellen Käufer jetzt aber raten? Augen zu – und durch? Vielleicht anfänglich geblendet durch das „bunte Bildmaterial“, welches sich dann allerdings auf den zweiten Blick ebenfalls als Allerweltsware entpuppt. Wie soll die heutige „Generation-Wikipedia“ vom Kauf eines Buches überzeugt werden, welches wenig oder gar nicht über diesen Horizont hinaus geht? Um der Wahrheit die Ehre zu geben muss man immerhin konstatieren, dass Papier, Druck und Bildwiedergabe erstklassig sind. Reicht das aber aus? Anstelle eines finalen Urteils bleibt dem Rezensenten als Ausweg schließlich nur die Anleihe bei einem mittlerweile klassischen Zitat: „Am Ende sehen wir betroffen, den Vorhang [das Buch] zu, und alle Fragen offen!

Dirk Nottelmann (2015)