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Kleine Kreuzer 1903 - 1918

Autor: Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke
Titel: Kleine Kreuzer 1903 - 1918
Untertitel: Bremen- bis Cöln-Klasse
Seiten: 270
Fotos, Skizzen und Tabellen: über 200
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 2004
ISBN 3-7637-6252-3

Mit diesem zwölften Band verabschiedet sich das Autorengespann von seinen Lesern. Zeit also, vor der Betrachtung dieses Bandes, ein Resümee der Serie zu ziehen. Begonnen hat alles im Jahre 1990 mit der Veröffentlichung eines Bandes über - wie könnte es angesichts des nach wie vor anhaltenden Interesses anders sein - die Schlachtschiffe der Bismarck-Klasse der Kriegsmarine, gefolgt von der Gneisenau-Klasse, den Schweren Kreuzern der Admiral Hipper-Klasse und den drei "Panzerschiffen" der Deutschland-Klasse. Die Qualität der Bände steigerte sich, nachdem vor allem im ersten noch Schwächen in der Produktion und vor allem auch im beigefügten oder auch zusätzlich erhältlichen Zeichnungsmaterial erkennbar waren. Auch dieser Rezensent empfand seinerzeit beispielsweise den Band über die Deutschland-Klasse als empfehlenswert. Danach glitten die weiteren Veröffentlichungen aber zunehmend in reine Routine ab, anscheinend eher an der Maxime "jedes Jahr ein Buch", denn an Qualität orientiert und interessiert. Insbesondere seitdem dann Schiffsklassen der Kaiserliche Marine - den Autoren offenbar reichlich fremd - zum Thema der Veröffentlichungen wurden, läßt sich vorgenannte These leicht stützen. Dementsprechend vorbelastet war auch die Erwartungshaltung des Rezensenten hinsichtlich dieses letzten Bandes - und sie wurde ein weiteres Mal nicht enttäuscht, doch dazu später.

Mit dem Thema an sich rennen die Autoren jene sprichwörtlichen offenen Türen ein, denn eine Gesamtdarstellung zum Thema der deutschen Kleinen Kreuzer ist eines der letzten großen Desiderate der Marinegeschichtsschreibung - wenn man es in heutiger Zeit denn so noch bezeichnen mag. Neben einer Vielzahl von operativen Darstellungen der Ereignisse vor allem um die Emden, stark abgeschwächt ebenfalls noch um Königsberg, Breslau oder Karlsruhe, findet sich ansonsten eine große Leere in den Regalen, insbesondere auch wenn es um politisch-technische Aspekte geht. Das hat natürlich seine tieferen Gründe; Gründe an denen auch das hier vorgelegte Werk - bei der mittlerweile bekannten Veröffentlichungsweise der Autoren - von Beginn an scheitern mußte, wenn es auf den ersten Blick vielleicht auch noch nicht so aussehen mag.

Die Darstellung beginnt mit der Bremen-Klasse und endet mit den beiden letzten für die Kaiserliche Marine in Dienst gestellten Schiffen Cöln und Dresden. Jede Klasse wird in einem eigenen Kapitel in der für diese Serie mittlerweile klassischen Form behandelt, indem am Anfang die technisch-taktischen Daten aufgelistet, dann Informationen über Aspekte des Schiffbaues, der Panzerung, der Bewaffnung sowie der Maschinenanlage gegeben werden, bevor ein summarischer Lebenslauf und der obligatorische Fototeil die Darstellung abrunden. Der Rezensent verhehlt dabei nicht, daß einige Informationen zu einzelnen Schiffen sehr geschickt ausgewählt sind - beispielsweise Auszüge aus privaten Tagebüchern oder offiziellen Reporten sowie auch einige Fotos - und somit bislang selten oder nie vorgestelltes Material repräsentieren. Somit mag sogar der eine oder andere Kenner der Materie noch neue Informationen in diesem Band finden. Doch leider werden diese positiven Aspekte bei weitem überwogen durch die Schwächen.

Da ist vor allem die vollkommen fragwürdige Abgrenzung der Darstellung zu nennen, sie erst mit der Bremen-Klasse beginnen zu lassen. Die Entwicklungsgeschichte des Kleinen Kreuzers deutscher Ausprägung begann ernsthaft mit der Formulierung der "Dienstschrift IX" vom 16. Juni 1894 und wurde mit dem Bau der Gazelle erstmalig umgesetzt. Ein Auslassen dieser Entwicklung beraubt der Geschichte der Kleinen Kreuzer ihre Begründung, bietet keinerlei Möglichkeit, die gewählte Konfiguration zu erklären. Das - man muß es wirklich so nennen - Wortgestammel in der Einleitung, "(D)er Bau echter Flottenkreuzer begann mit dem ersten Flottengesetz. Das war die GAZELLE-Klasse, (...). Mit der nachfolgenden BREMEN-Klasse setzte dann der eigentliche Bau von kleinen Kreuzern ein.", ist ein weiterer Offenbarungseid hinsichtlich der Sinnhaftigkeit des vorgelegten Materials. Er leitet aber nahtlos zu der oben erwähnten Behauptung über, das Projekt habe schon im Ansatz scheitern müssen.

Das Problem an der Entwicklungsgeschichte der Kleinen Kreuzer bis 1918 ist nämlich, daß es im Bundesarchiv dazu kein einheitliches Aktenkonvolut gibt, wie bei anderen Schiffsklassen, sondern sich die Akten mühsam zusammengesucht werden müssen. Sekundärliteratur zu dem Thema ist aber ebenfalls - wie weiter oben erwähnt - äußerst rar und wurde offensichtlich, das Literaturverzeichnis weist es aus, galant ignoriert. Wo also sollten die substantiellen Informationen dann wohl herkommen?

Hinsichtlich des so beliebten Themas falsch kommentierter Abbildungen leistet sich der Rezensent den Luxus nicht nochmals im einzelnen darauf einzugehen. Nur soviel sei gesagt, er empfindet eine Quote von 10% leicht nachweisbarer Fehlinformationen allein im Abbildungsteil als zu hoch. Weitere Schwächen, wie die überwiegend flaue Reproduktion der Fotos oder unterdurchschnittliche Qualität der Schiffszeichnungen, sind ebenfalls hinlänglich bekannt - auch hier hat sich nichts geändert.

Kommen wir zum Fazit: Wohl wissend, daß er bei dieser Serie permanent ein wenig "Don Quichotterie" betreibt, kann auch dieses Buch wiederum nur dem empfohlen werden, der ganz am Anfang mit seinem Interesse für Schiffsklassen der Kaiserliche Marine steht und auf den "leeren Fleck" im Regal zum Thema Kleine Kreuzer starrt. Zumindest findet er hier eine Zusammenfassung der Schiffe - mit einer wichtigen Ausnahme - und ihrer operativen Daten. Hintergrundinformationen hingegen sucht man vergeblich. Wahrscheinlich aber wird dies wiederum nur die wenigsten potentiellen Leser stören und vom Kauf abhalten, und sei es nur um die Lücke zu füllen oder die Serie zu komplettieren. Aus diesem Grund kann der Rezensent auch kein rechtes Bedauern empfinden, das, was vor vierzehn Jahren durchaus hoffnungsvoll begann, jetzt enden zu sehen.

Dirk Nottelmann (2004)


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