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Krieg unter Wasser

Autor: Tomas Termote
Titel: Krieg unter Wasser
Untertitel: Unterseebootflottille Flandern 1915-1918
Seiten: 352
Abbildungen: durchgängig bebildert in s/w und Farbe
Verlag: E.S. Mittler & Sohn
Ort, Jahr: Hamburg, 2015
ISBN 978-3-8132-0959-4

Im Jahre der einhundertsten Wiederkehr des Aufstellungsbefehls der Unterseebootsflottille Flandern vom 29. März 1915 legt uns der Autor ein Buch über deren spannende und verlustreiche Geschichte vor. Tomas Termote ist in eingeweihten Kreisen kein Unbekannter mehr, wenngleich seine Veröffentlichungen bislang eher regional in seiner Heimat Belgien publiziert worden sind. Das Hauptaugenmerk lag zunächst in der Erforschung der reichlich vorhandenen Wracks im Bereich des Englischen Kanals, bevor – nahezu zwangsläufig – auch die Beschäftigung mit der dahinter stehenden größeren Geschichte zum Thema wurde. Es soll dabei nicht verhehlt werden, dass die Ankündigung der Veröffentlichung speziell eines Buches mit diesem Thema in deutschen marinegeschichtlich interessierten Kreisen durchaus ein gewisses Erstaunen auslöste, ist doch zum einen die Beschäftigung mit der (maritimen) Geschichte des Ersten Weltkrieges trotz der Fülle der derzeit anstehenden „runden“ Jahrestage weiterhin ein – weit außen stehendes – Randthema, zum anderen hatte sich auch der Verlag in den vergangenen Jahren mindestens ebenso weit von marinegeschichtlich relevanten Themen entfernt. Aber manchmal gelingt anscheinend doch noch der sprichwörtliche Sprung über den Schatten.

Was bietet uns die vorliegende Publikation nun also? Mehr als der eher nüchterne Titel vermuten lässt! Grob gerechnet ist das Werk in drei jeweils etwa 100 Seiten lange Abschnitte unterteilt. Bevor die eigentliche Geschichte der Flottille beginnt, wird der Leser im ersten dieser Teile quasi vorbereitend an die Hand genommen, auf eine par force-Einführung in das Thema deutscher U-Boote an Flanderns Küste. Beginnend mit einem historischen Überblick über die allgemeine U-Bootpolitik vor, bzw. während dem/des Krieg(es), folgt eine Übersicht über die relevanten Örtlichkeiten an der flandrischen Küste, eine Übersicht über die verschiedenen in Flandern stationierten Bootstypen, bevor ein intensiver, „Technische Analyse“ betitelter Abschnitt über die Technik der Boote „en detail“ die Einleitung beschließt.

Doch geht es in diesem detaillierten Stil auf den folgenden etwa 100 Seiten weiter, in diesem Fall hauptsächlich die heutzutage so genannten „soft skills“ beschreibend. Neben der übergeordneten „großen“ Marinepolitik, der Aufstellung der Flottille an sich, erfahren wir hier viel über die Besatzungen, ihre Lebensbedingungen an Bord und an Land. Daran anschließend geht es um die Ausgestaltung und technische Einrichtung der drei wesentlichen Basen – Brügge, Zeebrügge und Ostende –, bevor auch auf die Anstrengungen und Ausrüstung des Gegners eingegangen wird, diese lästigen deutschen U-Boote nachhaltig zu bekämpfen.

Der dritte große Abschnitt endlich befasst sich mit den Operationen der Flottille – den Erfolgen und dem schließlichen Scheitern. Hier konnte der Autor dann auch seine sehr persönlichen Erfahrungen mit dem Wracktauchen und der Identifizierung der gefundenen Wracks mit einbringen. So kann man jetzt sagen, dass, bis auf vergleichsweise wenige offen bleibenden Fragen, die Schicksale der meisten deutschen Boote in der Region als geklärt angesehen werden können. Abschließend findet der – in diesem Falle wohl eher als uninformiert angesehene – Leser noch ein Glossar mit den wichtigsten Fachausdrücken. Dieses Glossar allerdings betont eher nochmals eine der Schwächen des Buches, als dass es besonders notwendig wäre – wir werden unten weiter darauf eingehen.

Beim ersten Durchblättern stechen sofort einige Fakten ins Auge, die bislang bei ähnlich gelagerten Werken nicht unbedingt selbstverständlich waren – die Fülle der Abbildungen und deren Qualität bei der Wiedergabe. Hier, so darf man ohne Frage behaupten, werden Maßstäbe gesetzt, die selbst im internationalen Vergleich nicht alltäglich sind! Es findet sich leider keine Angabe darüber – und ist letztlich auch nur für den Statistiker interessant –, wie viele Fotos, Gemäldereproduktionen oder Kartendarstellungen insgesamt eingefügt wurden, aber Qualität, sinnvolle Auswahl und auch Unterschriften lassen wenig Wünsche offen. Selbstverständlich ist in interessierten Kreisen bekannt, welch lebendige „shiplover-“ und Historikerszene mit Bezug auf den Ersten Weltkrieg gerade in Flandern besteht, und der Umfang der seltenen und seltensten Abbildungen – immer mit Bezug auf die Region und selten allgemein gehalten – legt erneut ein beredtes Zeugnis davon ab. Es macht bereits Freude, das Buch als reines Fotoalbum zu betrachten.

Textlich sieht die Empfindung zwar durchaus ähnlich aus, doch muss man hier leider einige Einschränkungen vornehmen. Zunächst ist sehr positiv zu bewerten, dass der Autor sich im Bereich der Operationsgeschichte weise auf die Kernfakten beschränkt – ohne wesentliches auszulassen –, aber dabei ein klares Statement gegenüber den oftmals allzu in Details verliebten „Tonnagezählern“ setzt. Leider wird, im Gesamtkontext gesehen, der Text häufig dann schwach, wenn es um die übergeordnete Geschichte oder auch technische Themata geht, was möglicherweise – ohne Kenntnis des Originaltextes schwierig zu beurteilen – an der nicht immer auf der Höhe des technischen Anspruchs stehenden Übersetzung und des Lektorates liegt. Einem fachkundigen Lektor hätte beispielsweise auffallen müssen, dass die Länge einer Reise von Flandern in die Irische See wohl 600 Meilen, dann aber bitte nicht die Reise von Flandern in den westlichen Teil des Kanals 1.800 Meilen weit sein kann. Auch eine Aussage über die in den ersten achtzehn deutschen U-Booten als Hauptantrieb eingebauten Körting-Motoren muss verwundern; wörtlich: „Der oftmals giftige Rauch musste über einen Schornstein auf dem Dach abgeführt werden.“(?) War das Abgas nun giftig, bzw. wann oder warum war es das nicht? Und ein Dach findet man auf einem U-Boot wohl auch eher selten. Ein drittes Beispiel soll noch angeführt werden, weil es leider Allgemeingut im Schrifttum geworden ist, was den Ausdruck aber nicht richtiger macht. In einer Bildunterschrift auf Seite 40 wird wieder einmal von einem „schwimmenden Trockendock“ gesprochen. Nein, und nochmals nein! Es gibt Trockendocks, die in das Erdreich hineingebaut werden und es gibt Schwimmdocks, deren vornehmste Eigenschaft darin besteht, dass sie Schwimmen und abgesenkt werden können. Dass dabei das eingeschwommene Objekt nach dem Anheben trocken gestellt wird ist Sinn und Zweck, macht das Dock aber nicht zu einem Trockendock. Hinzu kommt noch ein zumindest unglücklicher Umstand des Layouts, um es nicht Schwäche zu nennen: Die Schiffsnamen werden im Fließtext nicht hervorgehoben, weder in Versalien, noch Kursiv, was das Lesen oder Auffinden zumindest erschwert – auch eine (Un-)Art, die in letzter Zeit häufiger zu beobachten ist.

Als Fazit bleibt zu ziehen, dass das Buch hätte hervorragend werden können, wäre eine fachliche Endkontrolle durchgeführt worden, so bleibt zumindest eine starke Empfehlung bestehen, „cum grano salis“, was ja auch nicht schlecht ist.

Dirk Nottelmann (2016)