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Mit der k.u.k. Marine von Pola nach Peking

Autor: Wolfgang Wieser
Titel: Mit der k.u.k. Marine von Pola nach Peking
Seiten: 157
Abbildungen: 161 Fotos sowie diverse Abbildungen, Skizzen und Faksimiles
Verlag: Verlag Österreich
Ort, Jahr: Wien, 1999
ISBN 3-7046-1410-6

Unser kleines Nachbarland versorgt uns in den vergangenen Jahren immer wieder mit höchst erfreulichen Büchern! So auch mit dem vorliegenden.

Das Fundament des Buches besteht aus einem Tagebuch, geführt von dem Großvater des Autors (besser vielleicht „Herausgebers“), anläßlich eines Auslandseinsatzes im Verband der österreichischen Marine. Dabei ergab sich für den „Tagebuchschreiber“ insofern eine Besonderheit, als er zwar offiziell dem Schiffsstamm SMS Kaiserin Elisabeth zugeteilt war, für ein Jahr aber mit einem Detachment die Wache in der österreichischen Gesandtschaft in Peking stellte. In dieses Fundament eingebettet findet man dann die erläuternden und ergänzenden Texte des Herausgebers, die an den Stellen, wo die Tagebuchaufzeichnungen die Hintergründe vielleicht etwas zu wenig beleuchten, einsetzen.

Neben den ebenso ausführlichen Berichten über das Bordleben, das Schiff war insgesamt gut zwei Jahre draußen, so daß dem „Autor“ auch noch genügend Zeit für Beobachtungen in diesem Bereich blieb, sind es in der ersten Hälfte vor allem die Schilderungen des Lebens im Peking der ersten Dekade dieses Jahrhunderts, die faszinieren. Dabei erweist er sich als wacher Beobachter seiner Umgebung, der die Verhältnisse, frei von jeden Dogmatismen, so schildert, wie er sie empfindet. Dies ist um so erfrischender, als bei gleichartigen Berichten in der heutigen Zeit allzu häufig das so gern bemühte „multi-kulturelle Gewissen“ durchschlägt und die Realitäten vernebelt.

Hier dagegen wird, wenn es in einer Straße stinkt und der Passant knöcheltief im Schlamm versinkt, dieses auch ohne Hintergedanken geschildert. Und wenn das Kaiserlich-Chinesische-Telegrafenamt ein kleiner Verschlag mitten zwischen zwei Freudenhäusern ist, dann wird das eben nur verwundert zur Kenntnis genommen, aber keine langatmigen Erklärungsversuche nachgeschoben. Auch die öffentlichen Massenhinrichtungen von Verbrechern etwa, im China der damaligen Jahre offenbar ein Ereignis mit Volksfestcharakter, rufen nicht etwa ein sozialkritisches Entsetzen und den Schrei nach Menschenrechten hervor, sondern eher ein Staunen über diese besondere Facette einer fremden Kultur. Unweigerlich fragt man sich beim Lesen dieser Zeilen, ob uns heutigen Lesern etwa die Unbefangenheit abgeht, fremde Kulturen in ihren jeweiligen Ländern nur zur Kenntnis zu nehmen, ohne sie gleich ändern zu wollen. Und jene die über diese Unbefangenheit der Schilderung des Autors Abscheu empfinden möchten, müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie nicht die Worte des gleichsam verteufelten Wilhelm II. zu sehr verinnerlicht haben, am deutschen Wesen möge die Welt genesen?

Diese Schilderungen aus Peking werden dann in der zweiten Hälfte mehr als ergänzt, durch das vorgestellte Leben auf einem Kolonial-/Auslandskreuzer jener Jahre. Das Gebiet der angelaufenen Häfen erstreckt sich von Bangkok im Süden, bis zum japanischen Hakodate im Norden, dazwischen so illustre Namen wie Saigon, Manila, Hongkong, Port Arthur, usw. Auch hier sind die Informationen ungemein vielfältig und Facettenreich, so daß man schon Lust bekommt, sich intensiver mit diesem Stationsgebiet auch der Kaiserlichen Marine zu befassen.

Ein sehr zweischneidiges Schwert in diesem Buch sind die reproduzierten Fotos. Wieder einmal gilt die jüngst vom Rezensenten aufgestellte These, eine gute Vorlage wird sogar durch die Scan-Technik nicht entstellt, minder gute Vorlagen aber können stellenweise katastrophale Ergebnisse hervorbringen. Ein beeindruckendes Beispiel dafür findet sich im sogenannten Frontispiz des Buches, wo ein vermutlich im Original nicht einmal schlechtes Foto der Kaiserin Elisabeth - vielleicht durch übermäßige Vergrößerung - dermaßen verwaschen wirkt, daß jede Detaillierung verloren geht. Insgesamt gesehen jedoch ist es ein wahrer Schatz an Photos, der dieses Jahrhundert überdauert hat. Offenbar hatte SMS „Liesl“ einen sehr rührigen Bordfotografen, und der „Tagebuchschreiber“ war ein ebenso eifriger Abnehmer seiner Fotos. Beinahe jedes der geschilderten größeren Ereignisse wird durch ein Foto ergänzt; dabei neben vielen Landschafts- und Personenaufnahmen auch den „Shiplover“ interessierende Motive, wie, eine Ansicht von SMS Scharnhorst, eine solche vom französischen Stationär in Saigon, Redoubtable, und nicht zuletzt auch Fotos von dem gestrandeten und später verloren gegangenen Panzerkreuzers HMS Bedford. Dies ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Das Fazit der Rezension dieses Buches ist verhältnismäßig einfach zu ziehen: Es ist nahezu uneingeschränkt zu empfehlen, mit der Zusatzbemerkung, daß es bei etwas mehr Mühe mit der Bildwiedergabe hätte traumhaft schön genannt werden können.

Dirk Nottelmann (1999)


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