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Donaumonitoren Österreich-Ungarns

Autor: Friedrich Prasky
Titel: Donaumonitoren Österreich-Ungarns
Untertitel: Von 1872 bis zur Gegenwart.
Seiten: 224
s/w-Abbildungen: ca. 240
Verlag: Neuer Wissenschaftlicher Verlag GmbH
Ort, Jahr: Wien, 2004
ISBN 3-7083-0124-2

Wieder einmal gilt es, die schöne historische Sentenz vom „felix austria“ zu bemühen, um eine Buchveröffentlichung aus unserem südlichen Nachbarland zu würdigen. Als „quasi-Fortsetzung“ der Reihe „Österreichs Schiffahrt in alten Ansichten“ legt der weithin bekannte Autor und Modellbauer allerdings einen großvolumigeren Band vor, im Umfang in etwa mit seinem Band über die „Tegetthoff-Klasse“ vergleichbar. In diesem Fall geht es allerdings nicht um ein gemeinhin als spektakulärer empfundenes Großkampfschiff, sondern um einen regional sehr begrenzten Schiffstyp, bei dem Österreich-Ungarns Marine eine Vorreiterrolle spielte, nämlich den Donaumonitor. Nicht verhehlt werden soll dabei, daß es auch über diesen Schiffstyp bereits frühere Veröffentlichungen gab - der Nachteil bei einer kleinen Marine, mit einem in engen Grenzen definierbaren zeitlichen Bestand -, doch war auch hier die Öffnung der ehemaligen Ostblockarchive derart fruchtbar, daß eine neuerliche Beschäftigung mit dem Thema wünschenswert erschien.

Der Inhalt ist in drei große Blöcke gegliedert, grob mit den Einordnungen, Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegsgeschichte zu beschreiben, wobei letztere dann für einige Schiffe sogar noch in eine weitere Kriegsgeschichte münden sollte. Den zeitlich größten Raum deckt die Vorkriegsgeschichte ab, schließlich erkannte die Marine der k.u.k.-Monarchie bereits nach dem Krieg von 1866 und dem daraufhin erfolgten sogenannten „Ausgleich“ zwischen Österreich und Ungarn die Notwendigkeit einer modernen Flußflottille. Das im Januar 1869 vorgestellte Schiffbauprogramm sah die Beschaffung zweier gepanzerter Fahrzeuge des Monitortyps vor, welche sich im nicht einmal vier Jahre zuvor beendeten Sezzessionskrieg auch auf Flüssen vermeintlich gut bewährt hatten.

Nach den Plänen von Josef Romako, seinerzeit so etwas wie der Chefkonstrukteur der Marine, entstanden 1870/71, im Sinne des Ausgleichs auf einer ungarischen Werft, die Flußmonitore Maros und Leitha, Vorläufer einer ganzen Serie derartiger Schiffe auf der Donau. Wie auch bei den später gebauten Schiffen geht der Autor mit Akribie auf die Technik, die Erfahrungsberichte und darüber hinaus letztlich auf den Gesamtlebenslauf der Schiffe ein, wobei auch das politische Umfeld nicht zu kurz kommt - nicht zu kurz kommen darf, denn die Situation auf dem Balkan heute unterscheidet sich kaum von jener früherer Tage; es ist gut, gelegentlich einmal daran erinnert zu werden.

Zwanzig Jahre nach Indienststellung des ersten Schiffspaares kam ein weiteres zur Flotte, nochmals zehn Jahre weiter ein drittes und mit dem Ausbruch des Krieges ein viertes, wobei Maros und Leitha - inzwischen mehrfach umgebaut - eigentlich abgängig waren, da den Erfordernissen der modernen Militärtechnik nicht mehr entsprechend. Überhaupt ist es wichtig zu erwähnen, daß - im Gegensatz zu den Monitoren des Amerikanischen Bürgerkrieges - die Donaumonitore durch Artilleriefeuer aus Feldgeschützen sehr verwundbar waren. Sie konnten aufgrund ihrer Größe nicht besonders stark gepanzert werden - von einem Schutz gegen Minen konnte schon gar keine Rede sein -, was sich im Kriege dann sehr fühlbar bemerkbar machen sollte. Der Begriff „Monitor“ suggeriert hier eine Standfestigkeit, welche nicht vorhanden war. Ab 1907 war den österreichischen Schiffen außerdem ein ernstzunehmender Gegner in den rumänischen „Polizeibooten“ - da die untere Donau seit dem Berliner Vertrag von 1878 demilitarisiert war, durften es offiziell keine Kriegsschiffe sein - der Bratianu-Klasse erwachsen.

Die in unseren Zeiten und Breiten weitgehend vergessenen Kriegsjahre auf dem Balkan bilden den Kern des Buches, wobei die Ereignisse selbstverständlich vor allem aus dem Blickwinkel der Donau und ihrer Nebenflüsse geschildert werden. Und diese Ereignisse waren für die Marine - oft im Brennpunkt der Ereignisse stehend - dementsprechend verlustreich. Von insgesamt zehn jemals fertiggestellten Monitoren sanken drei durch Minentreffer oder Artilleriefeuer, wobei dies nur die Totalverluste beschreibt. Interessanterweise kam es allerdings dabei nie zu einem Kampf Monitor gegen Monitor, wohl aber zu Torpedoangriffen auf jene. Zum Ende des Krieges wurden einige Monitore sogar noch zu „Seeschiffen“, als sie sich aus dem Donaudelta heraus bis in den Hafen von Odessa vorwagten.

Der wohl interessanteste Teil des Buches beginnt aber mit der Auflösung der Donaumonarchie und dem anschließenden Schicksal der Schiffe. Hier finden wir eine Fülle von Informationen über die Vorgänge auf dem Balkan in jener Zeit, wie sie wohl nur in wenigen Geschichtsbüchern stehen. Ein Teil der Schiffe ging in den Besitz des neu gegründeten Staates Jugoslawien über die übrigen nach Rumänien. Und wohl nur Phantasten konnten sich zur Zeit des Baues der Enns ihr vorläufiges Ende vorstellen - sie wurde am 12. April 1941 durch deutsche Stukas versenkt. Die selbst versenkte ehemalige Körös hingegen ging nach ihrer Hebung in die Hände des kurzlebigen kroatischen Staates über und kämpfte bis zu ihrer Versenkung 1944 noch gegen Partisanen Titos. Auch die rumänischen Schiffe erlebten nochmalige Flaggenwechsel. Zunächst, als das Land 1944 vor der Roten Armee kapitulieren mußte, wurden sie in die sowjetischen Streitkräfte eingereiht, kehrten allerdings 1951 wieder in rumänischen Besitz zurück. Dort fand zwischen 1959 und 1962 ihre Verschrottung statt - ihr Stahl soll zum Bau von Traktoren verwandt worden sein.

Das Buch schließt mit einem Blick in die heutige Zeit, denn - wie dem einen oder anderen sicherlich inzwischen bekannt geworden ist - zumindest eines der Schiffe existiert noch heute; das älteste. Der Rumpf der Leitha hat in Ungarn die Zeit als Baggereischiff überstanden und konnte 1988 vorläufig vor der Verschrottung gerettet werden. Ihre Restaurierung ist aufgrund finanzieller Schwierigkeiten des Staates allerdings derzeit auf Eis gelegt. Ein Foto aus dem Jahre 2000 belegt abschließend sogar noch die Existenz eines weiteren ehemaligen Monitors. Offenbar hat auch der Rumpf der Bodrog überlebt und dient derzeit als Anlegeponton. Es bleibt zu hoffen, daß zumindest einer dieser historisch interessanten Rümpfe musealen Zwecken erhalten werden kann.

Die Ausstattung dieses Buches ist nahezu über jede Kritik erhaben. Umfangreiches Bildmaterial wechselt sich ab mit bekannt guten Zeichnungen des Autors, Skizzen aus historischen Handbüchern und Modellaufnahmen unterschiedlicher Herkunft. Die Wiedergabequalität der Fotos ist den Vorlagen angemessen, von hervorragend bis akzeptabel. Einzig bei der Reproduktion der Schiffsskizzen hätte man sich hin und wieder eine etwas höhere Auflösung der Scanns gewünscht - doch das fällt im Gesamtkontext nicht übermäßig störend auf. Fazit: Ein unbedingt empfehlenswertes Buch, auch für den Leser, der bereits einiges zum Thema gesammelt hat.

Dirk Nottelmann (2005)


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