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Sir John Fisher's Naval Revolution

Autor: Nicholas A. Lambert
Titel: Sir John Fisher's Naval Revolution
Seiten: 410
Abbildungen: 13
Verlag: University of South Carolina Press
Ort, Jahr: Columbia, S.C., 1999
ISBN 1-57003-277-7

Vor einiger Zeit erschien, in Deutschland wiederum nahezu unbeachtet, dieses vorliegende Buch, welches per Titel nicht nur eine stille Revolution beschreibt, sondern in seinen Aussagen gleichermaßen eine solche veranlaßt: Es geht nebenbei um nicht weniger als die Korrektur eines besonders in der deutschen Historiographie institutionalisierten Geschichtsbildes, das um so lieber gepflegt wird, als man sich als Deutscher dabei wieder so schön schuldig fühlen kann. Ein Vorwurf? Und ob!

Der Autor beginnt seine Betrachtungen zu jener Zeit, als Sir John Fisher "ante portas" der Admiralty stand, auf dem Weg, das Amt des 1.Seelords zu übernehmen. Nach der derzeitigen, "political correctness" entsprechenden Geschichtsschreibung war dies die Zeit (1903/04), in welcher die Royal Navy aus Angst vor der "erstarkenden" Deutschen Marine damit begann, ihre Einheiten in den Heimatgewässern zu konzentrieren, um jener nicht die Kontrolle der Nordsee zu überlassen. Es entstand das klassische Geschichtsbild, der deutsche Flottenbau, und damit Deutschland per se, störte als Aggressor das so friedliche Europa, insbesondere natürlich die bilateralen Beziehungen zwischen ihm und dem britischen Weltreich. Diese Entwicklung konnte Großbritannien nicht hinnehmen, ein Wettrüsten mußte die logische Folge werden. In zwingender Beweisführung entsorgt der gebürtige Engländer Lambert diese Kausalität auf dem Müllhaufen der Geschichte! Tatsächlich spielte Deutschland während der ersten Hälfte der ersten Dekade des neuen Jahrhunderts in den hier relevanten Überlegungen der britischen Marine keine Rolle

Wie es Tirpitz später ebenfalls ergehen sollte, versagten die politischen Kräfte Großbritanniens jener Zeit ihren Streitkräften zunehmend die notwendigen Mittel, sie empfanden die Aufwendungen zur Aufrechterhaltung des status quo den "two power standard" zum Beispiel als nicht mehr bezahlbar. Fishers Lösung des heraufziehenden Problems er war seit Oktober 1904 im Amt, hatte aber seine grundlegenden Ideen bereits vorher fixiert bestand in dem großen Sprung nach vorn: Die Entwicklung des Großkampfschiffes in der Royal Navy entstand nicht aus militärischen Forderungen heraus, sondern aus finanziellen Zwängen. Etwas bekannter steht neben dieser Aussage die Tatsache, daß Fisher die Dreadnought niemals wollte, da sie nicht seiner neu formulierten taktischen Konzeption der Royal Navy entsprach. Er setzte auf ein Trio sich ergänzender Maßnahmen: Auf den Weltmeeren sollten schnelle, starke Einheiten die Überlegenheit der Marine bewahren (Schlachtkreuzer), während die Verteidigung der Heimatgewässer Zerstörern und ..... U-Booten zu obliegen hatte. Weitgehend unbekannt geblieben, neben dem großen Geschrei um den "Dreadnought-Bau", ist die Tatsache, daß Fisher die treibende Kraft hinter der britischen U-Boot-Entwicklung war. Und er war, ebenso wie sein großer Rivale auf deutscher Seite, noch etwas, nämlich ein Meister der zweckgerichteten Propaganda, gleichermaßen für die Ohren von Bevölkerung und Parlament. Ohne Übertreibung kann wohl behauptet werden, daß die berühmte "navy scare" niemals entstanden wäre, wenn Fisher sie nicht selbstverständlich in Verleugnung der ihm nur zu gut bekannten Realitäten inszeniert hätte.

Man könnte auf diesem Wege noch seitenweise Neuland beschreiben, oder viel sinnvoller man kann das Buch zum Lesen empfehlen. Und genau das soll hiermit getan werden. Dieses Buch ist dermaßen wichtig, daß es zur Pflichtlektüre jedes an der Zeit interessierten werden sollte, ob Hobby- oder professioneller Historiker. Insbesondere letzterer Spezies kann es besonders warm ans Herz gelegt werden. Vielleicht gelingt es ja mit der Hilfe solcher Bücher wenn sie schon von "nestbeschmutzenden Historikern der anderen Seite" geschrieben werden auch einmal zu einer vorurteilsfreien Beschäftigung mit der Deutschen Marine jener Zeit zu kommen. Die Vorgaben sind jedenfalls in brillianter Form vorhanden!

Dirk Nottelmann (1999)


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