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Die Tegetthoff-Klasse

Autor: Friedrich Prasky
Titel: Die Tegetthoff-Klasse
Untertitel: Geschichte, Technik, Modellbau
Seiten: 264
Farbabbildungen: 85
s/w-Abbildungen: 350
Detailzeichnungen: 50
Plan: 1
Verlag: E.S.Mittler&Sohn
Ort, Jahr: Hamburg, 2000
ISBN 3-8132-0712-9

Mehr als 20 Jahre nach Erscheinen der ersten Monographie über die Linienschiffe der Tegetthoff-Klasse legt einer der damaligen Autoren einen „Nachfolgeband“ zu dem Thema vor, allerdings unter grundlegend ver-änderter Prämisse.

Anlaß zu dem vorliegenden Werk war die Restaurierung jenes nahezu unvergleichlichen Schnittmodells des eigentlichen Typschiffes der Tegetthoff-Klasse, Viribus Unitis, welches im „Heeresgeschichtlichen Museum“ in Wien seinen ständigen Platz gefunden hat. Dem Autor wurde seitens des Museums diese Aufgabe übertragen, gilt er doch als einer der besten Modellbauer des Landes. Er begleitete seine Aufgabe mit der Kamera, und kam somit zu Detailansichten und Blickwinkeln, die normalen Betrachtern verborgen bleiben. Und - um nicht lange um die Quintessenz herumzureden - aus diesen Fotos, verbunden mit den eingearbeiteten Detailinformationen zu dieser für Österreich bedeutsamen Schiffsklasse, den Originalfotos sowie den abgedruckten Dokumenten, ist ein prachtvolles Buch entstanden!

Er beginnt mit der Entstehungsgeschichte des Modells, zu welcher Wilhelm II. mit dem von ihm protegierten Modell der deutschen Rheinland die Initialzündung lieferte. Dieses Ende des Krieges leider zerstörte deutsche Modell, zu dem ein deutscher Marineoffizier einmal geäußert haben soll, eigentlich hätte der Kaiser wegen Geheimnisverrats vor ein Kriegsgericht gehört, so genau sei es gewesen, bewog die österreichische Industrie dazu, ein Pendant für das entstehende Technische Museum schaffen zu lassen. Um den Leser, der noch nichts von diesen beiden Modellen gehört hat, ein wenig neugierig zu machen, sei bemerkt, es handelt(e) sich hier um Modelle im Idealmaßstab 1 : 25, das heißt, beide waren/sind länger als 6 Meter - und damit läßt sich schon einiges anfangen und darstellen. Vom 24.10.1913 bis zum 20.10.1917 arbeiteten unter der Anleitung eines Meisters 8 Facharbeiter permanent an der Fertigstellung, und das letztliche Ergebnis ihrer Tätigkeit entzieht sich jeder Schilderung, man muß es sehen - und sei es nur auf Fotos.

Im folgenden werden dann etliche der am Modell sichtbaren Details einer Betrachtung unterzogen, in der Funktion erläutert, und anhand von Originalfotos in den historischen Rahmen gestellt. Nicht zu kurz kommen dabei auch die Vergleiche der vier Schwesterschiffe, gab es doch genügend Unterscheidungsmerkmale; man muß sie bloß einmal aufgezeigt bekommen. Reichen die Original- und Modellfotos nicht mehr aus, so greift der Autor zusätzlich noch auf zeichnerisches Material zurück, mal von ihm selbst erstellt, mal aus originalen Dienstvorschriften übernommen.

Abgeschlossen wird die Gesamtdarstellung mit einer Chronologie aller vier Schiffe, welche naturgemäß kurz ausfallen kann, denn sie erlebten - mit einer Ausnahme - noch weniger Spektakuläres, als die Schiffe der deutschen Hochseeflotte. Die Ausnahme bildet bekanntermaßen die Szent István durch ihren spektakulären Untergang. Selbstverständlich erhalten die neuesten, durch Tauchgänge zum Wrack gewonnen Erkenntnisse ebenfalls ihren Platz in diesem Buch, wie auch jene zur Versenkung der Viribus Unitis, mit der recht unklaren Nationalitätenfrage.

Es wäre aber kein österreichisches Buch, würde es nicht zu guter Letzt durch ein echtes „Schmankerl“ noch abgerundet: Beigelegt wurde ihm noch der seitens des Autors gezeichnete Konstruktionsplan der Viribus Unitis im Maßstab 1 : 200, den er aufgrund der neuesten Erkenntnisse überarbeitet hat. Die im Querformat aufgemachte Produktion kann ebenfalls überzeugen, ist es doch somit möglich, auf die ungute Darstellungsweise von über die Mitte laufenden Zeichnungen zu verzichten, ohne sie mit der Lupe betrachten zu müssen. Ein kleiner Schatten muß jedoch wieder einmal angesprochen werden, bei diesem vielen Licht: Die Rasterung einiger Fotos ist dermaßen grob, daß sie schon als unscharf bezeichnet werden müssen.

Als Fazit sei das oben gesagte nochmals voll unterstrichen: Autor und Verlag zeigen hier deutlich, was gestalterisch - im Gegensatz zu so mancher anderen deutschsprachigen Publikation der vergangenen Jahre - möglich ist; der Autor in seiner Fachkompetenz und aufgewandten Mühe, der Verlag in der Bereitschaft ein Maximum an Bildern zuzulassen, ohne auf die Sachinformationen zu verzichten. Möge das Buch als gutes Beispiel für die Zukunft dienen und gleichzeitig den verdienten Erfolg haben. Jeder auch nur minimal an der Marine interessierte sollte es in seine Sammlung einreihen.

Dirk Nottelmann (2000)


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