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Marinewaffen

Autor: Wolfgang Thamm
Titel: Marinewaffen
Untertitel: Ausführungen zur deutschen Marinewaffentechnik Anfang des 20. Jahrhunderts, unter Einbezug des Feuerwerkerwesens: Geschütze und ihre Munition besonders die leichten Schnellade-Kanonen der Schiffsartillerie und die Einheitspatrone
Seiten: 246
Abbildungen: diverse s/w-Abbildungen und Faksimiles
Verlag: pro Literatur Verlag
Ort, Jahr: Mehring, 2008
ISBN 978-3-86611-413-5

Wie bei dem ebenfalls hier vorgestellten Buch Axel Baders handelt es sich bei diesem um eine - uns Modellsammlern so vertraute - „Waschküchenproduktion“, soll heißen, daß sich für dieses Thema keiner der (bislang) renommierten Verlage gefunden hat, es zu publizieren. Das ist allerdings auch nicht wirklich verwunderlich, denn fristet die Beschäftigung mit der Marinegeschichte vor 1933 in diesem Land (unverständlicherweise) schon ein Nischendasein, trifft dies für technische Teilaspekte in noch viel stärkerem Maße zu. Insofern steht auch für dieses Werk ein kommerzieller Erfolg wohl in weiter Ferne.

Dabei gibt es marinegeschichtlich kaum eine spannendere Zeit, als die von ca. 1880 bis 1906. Und nur wer die Entwicklung der damaligen Waffentechnologie versteht und berücksichtigt, dem erschließt sich auch die zwingende Genese der Trägerkonstruktionen, sprich Schiffe, bis mit dem Superdreadnought Queen Elizabeth auf britischer Seite ein erstes Optimum geschaffen wurde. Insofern ist jede Erhellung auch nur eines Teilaspektes auf diesem Wege - in vorliegendem Falle nur aus deutscher Sicht vorgenommen - uneingeschränkt zu begrüßen. Der Autor besitzt als ausgebildeter Feuerwerker und Schießlehrer zweifellos Fachkompetenz, um sich der technischen Seite des Geschützwesens zu nähern, bzw. es verständlich zu machen.

Primär geht es in der Abhandlung um die ausführliche technische Beschreibung der deutschen Schnellade- (nicht „Schnellfeuer“-) Kanonen vom Kaliber 5 cm, 8,8 cm, 10,5 cm sowie 15 cm, wie sie ab 1889 der Flotte zuliefen, unter allen nur denkbaren Aspekten. Ergänzung finden diese Beschreibungen noch in Anweisungen über die Behandlung und Lagerung der Munition an Bord, einer Tätigkeitsbeschreibung des Feuerwerker- und Artilleriemechanikerpersonals, einer Geschichte des kruppschen Gussstahlverfahrens sowie einiger weiterer zugehöriger technischer Erklärungen und Tabellen.

Soweit, so gut. Der Rezensent steht jetzt aber vor dem Problem einer Wertung. Problem insofern, als der Kern des Materials wenig mehr ist, als eine Wiedergabe des Inhalts des 1898 vom Reichs-Marine-Amt herausgegebenen Büchleins: „Die Schnelllade-Kanonen der Schiffs-Artillerie (für Einheitspatronen) und ihre Munition (...)“. Der Autor verhehlt dies auch nicht, sondern erzählt in der Einleitung mit berechtigtem Stolz von seinem Glück, einige der damaligen Original-Dienstvorschriften aus einer aufgelösten Bibliothek erwerben zu können. Dies sind wirklich unvergleichliche kleine Schätze, in denen man (spezielles Interesse vorausgesetzt) stundenlang lesen könnte - und die bislang kaum im Quellenverzeichnis neuzeitlicher Publikationen auftauchten, - auch weil sie heutzutage recht selten sind. Somit zerfällt die Leserschaft wiederum in zwei Teile: jenen die das Material kennen und jenen, die es noch nicht kennen - sicherlich der größere Teil. Für den ersten Kreis bietet es nichts wirklich Neues, und - um den einleitenden Faden aufzunehmen - leidet es ein wenig unter der „Waschküchenproduktion“. Ein gut Teil der Abbildungen - vor allem der Skizzen - kommt recht flau daher, verstärkt durch den grauen Hintergrund unter den Skizzen. Wenn man die Klarheit und Präzision der Originale kennt, schmerzt das schon ein wenig. Hier wäre eine einfache Umrandung weitaus wirkungsvoller gewesen.

Der zweite Teil der Leserschaft mag dieses „Manko“ vielleicht unter dem Aspekt verschmerzen, überhaupt derartiges Material für einen recht günstigen Preis erwerben zu können - und für diese ist es letztlich auch gedacht. Persönlich hätte sich der Rezensent eher eine neuzeitliche Darstellung (und vielleicht auch Bewertung) entlang des umfangreichen Quellenmaterials gewünscht, schließlich ist der Autor wie kaum ein anderer „vom Fach“. So konvertiert er hingegen eher zum Herausgeber.

Verfassen wir das Fazit also für den zweiten Teil der Leserschaft: Jene Interessenten können mit dem Erwerb eigentlich nichts falsch machen, steht doch kaum zu erwarten, daß eines der hier zitierten Handbücher antiquarisch zu erwerben sein wird - schon gar nicht zu einem derartigen Preis.

Bernd Langensiepen


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