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Die deutschen U-Kreuzer und Transport-U-Boote

Autor: Eberhard Rössler
Titel: Die deutschen U-Kreuzer und Transport-U-Boote
Seiten: 256
Fotos, Skizzen und verkleinerte Pläne: 128
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn 2003
ISBN 3-7637-6246-9

Noch vor kurzer Zeit stellte der Rezensent anläßlich einer neueren Veröffentlichung des Autors fest, es gäbe nur noch ganz wenige positive Konstanten in der Autorenschaft der deutschen Marineliteratur, von denen man beinahe unbesehen jede Neuerscheinung in seinen Schrank stellen könne und zu denen Eberhard Rössler zweifellos gehören würde. Das vorliegende Buch unterstreicht diese Aussagen wiederum in eindrucksvoller Weise, wenn Rössler dieses Mal allerdings über sein ureigenstes Metier die technische Seite des deutschen U-Bootbaues zu beleuchten sogar hinausgegangen ist. Über den Gehalt dieses Schrittes in Neuland sei weiter unten referiert.

Ausgangspunkt der dann später "U-Kreuzer" genannten Entwürfe war wie eigentlich immer in solchen Fällen der Wunsch nach Leistungssteigerung gegenüber den im Bau oder Einsatz befindlichen Konstruktionen. In vorliegendem Fall bezog sich dies gleich auf mehrere Parameter, es sollte die Überwassergeschwindigkeit erhöht werden, ebenso die Anzahl der Torpedos, das Kaliber der Geschütze sowie die Reichweite unter Wasser. Üblicherweise gelingt dies nur durch Vergrößerung der Boote was in letzter Konsequenz zu den späteren "Giganten", ab U 139, führen mußte.

Anders sah die Lage bekanntlich bei den bis dato mehr oder minder einmaligen U-Frachtern der Deutschland-Klasse aus. Jene wurden aus einem privaten Entwurf der Germania-Werft, unter dem Zwang der wirtschaftlichen Lage entwickelt und erwiesen sich als durchaus gelungen, wenn auch ihre Existenzgrundlage durch den Kriegseintritt der USA nach kurzer Zeit entfiel. Für die Flexibilität des Entwurfs spricht aber, daß aus ihm heraus durch Umbau noch U-Kreuzer entwickelt werden konnten, denen zwar wünschenswerte militärische Eigenschaften fehlten, die aber dennoch Erfolge verbuchen konnten.

Eine Zwischenkriegsbetrachtung über den Einfluß der deutschen U-Kreuzer auf den internationalen U-Boobau jener Tage leitet über zu der Wiederaufnahme der Planung solcher Konstruktionen auch in Deutschland. Es zeigt sich als ein gleichermaßen unerfreuliches Kapitel, wie ähnliche Betrachtungen über die Konstruktion deutscher Überwasserschiffe in jenen Tagen. Der Realitätssinn oder krasser ausgedrückt der gesunde Menschenverstand scheint hier häufiger abhanden gekommen zu sein, was seine Ausprägung auch darin findet, daß während des gesamten Krieges dann kein U-Kreuzer mehr benötigt wurde, ein echtes Transport-U-Boot hingegen, mit Ausnahme des U-Tankers vom Typ XIV, nicht mehr fertiggestellt wurde.

Der Aufbau des Buches ist nach Projekten gegliedert, welche dann, im Falle der Realisierung, von den ersten Überlegungen bis hin zu den operativen Erlebnissen und Erfahrungen begleitet werden. Letzteres ist für den Autor ein Novum und prompt auch kleiner Schwachpunkt des Buches was allerdings nicht unbedingt offensichtlich ist. Die Schwäche liegt in der ausschließlichen Verwendung deutscher Quellen und hier, neben der Benutzung von Original-KTB, primär in der Basierung auf "Spindler, Der Handelskrieg mit U-Booten Bd. IV und V". Insbesondere jene beiden Bände werden hinsichtlich des Gehalts ihrer Aussagen mehr und mehr von der Zeit überholt, so daß die hier geschilderten Erfolgsmeldungen durchaus mit Vorsicht zu genießen sind.

Das aber sind im Gesamtkontext Kleinigkeiten und jeder auch nur halbwegs am Thema Interessierte sollte sich die Anschaffung dieses Buches nicht lange überlegen. Material dieser Güteklasse ist selten geworden auf den Buchmärkten.

Dirk Nottelmann (2003)


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