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Torpedo los!

Autor: Oliver Trulei
Titel: Torpedo los!
Untertitel: S.M. U 27 im Weltkrieg
Seiten: 112
Abbildungen: durchgehend illustriert mit Fotos, Skizzen und Karten
Verlag: Eigenverlag des Autors
Ort, Jahr: Wien, 2010
ISBN 978-3-200-02048-1

Das Buch beschäftigt sich, wie der Untertitel schon gesagt, mit den Kriegsfahrten des k.u.k. Unterseebootes U 27 im Ersten Weltkrieg.

Es ist in 14 Kapitel nebst Anhang gegliedert. Nach einer kurzen Einführung in die Entwicklung des U-Bootsbaus in der k.u.k. Kriegsmarine - die sich in ähnlicher Form auch schon in "Die Schiffe der k.(u.)k. Kriegsmarine im Bild - Band 2" von Baumgartner/Sieche finden ließ - wird im ersten Kapitel aufgezeigt, wie es sich bei der U-Bootwaffe Österreich-Ungarns um ein Produkt handelte, dass hauptsächlich im Weltkrieg, unter den erschwerenderen Bedingungen der Blockade durch die österreichisch-ungarischen Feindmächte, mangelnder Erfahrung im U-Bootsbau und personellen Schwierigkeiten in Form von im Kriegseinsatz befindlichen Wertmitarbeitern, aus dem Boden gestampft worden war.

Dazu gibt es im Bezug auf U 27 noch einige kurze technische Angaben in Form eines Schiffsdatenblattes. Dann geht es direkt hinein in den Ersten Weltkrieg, schließlich erfolgte die Indienststellung erst am 24. Februar 1917, also bereits mitten im Krieg und zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Blatt schon zuungunsten der Doppelmonarchie wenden sollte.

Bereits bei der Verlegefahrt von der Werft in Pola zur U-Bootstation Gjenovic wäre das Boot durch einen technischen Defekt fast verloren gegangen. Obwohl hier auch ein Sabotageakt infrage kam, was abschließend aber nie geklärt werden konnte, zeigt schon dieser Zwischenfall auf, unter welch schwierigen Umständen die mehr oder weniger brandneue Waffengattung der Marine sich zu bewähren hatte; nicht nur der Feind, sondern auch technisch unausgereiftes und nicht unter realen Kriegsbedingungen getestetes Material machten den Dienst bei der U-Bootwaffe zu einer besonderen Herausforderung.

Schließlich lief das Boot im April 1917 zu seiner ersten Feindfahrt aus. Diese und die weiteren Fahrten werden, neben der Rahmenbeschreibung durch den Autor, durch Aufzeichnungen und Zitate aus der Besatzung von U 27 ergänzt, wobei nicht nur die Offiziere zu Wort kommen, was lobend erwähnt werden muss. Auch Aussagen von Besatzungsangehörigen versenkter Handelsschiffe, bzw. amtliche Berichte aus gegnerischen Marinen fließen mit ein. Am Ende einer jeden Feindfahrt werden die jeweiligen Dekorationen des Stabes und der Mannschaft abgedruckt.

Die allgemeinen Probleme, wie Ungezieferplage, unzureichende Verpflegung, mangelhafte sanitäre Anlagen, schlechter technischer Zustand des Materials etc. werden anschaulich beschrieben, ebenso der Kampf gegen die Elemente im schweren Sturm, Angriffe mit Wasserbomben durch Geleitfahrzeuge von angegriffenen Konvois, sowie Bombenangriffe einer ebenfalls neuen Waffe, dem Flugzeug.

Der anstrengende Dienst forderte seinen Tribut, aufgrund von Erschöpfungszuständen und Krankheiten mussten erfahrene Leute im Laufe des Krieges aussteigen und wurden durch weniger erfahrene Kameraden ersetzt.

Insgesamt war das Boot nicht besonders groß, daher nur bedingt seefähig und für Operationen außerhalb der Küstengewässer auch aufgrund seiner Reichweite nur eingeschränkt geeignet. Der Typ B II, dem U 27 angehörte, waren zwar die modernsten U-Boote, die für die k.u.k. Kriegsmarine in Dienst kamen, andere Marinen verfügten allerdings über wesentlich größere und schnellere Boote. Insbesondere die unzureichende Geschwindigkeit machte es dem Boot oft unmöglich, Erfolge zu erzielen. Dies klingt immer wieder an. Daher versenkte das Boot nur wenige Handelsschiffe mit der Hauptwaffe, den Torpedos, sondern oft nur sehr kleine Segelschiffe durch Leckschlagen, Sprengpatronen oder mit dem Deckgeschütz.

Trotzdem gelang es U 27 während des Krieges zweimal, einen feindlichen Zerstörer zu torpedieren, wobei die japanische Sakaki im Mittelmeer schwer beschädigt wurde, und die britische Phoenix in der Otranto-Straße sank. Dies waren natürlich die Höhepunkte in der Biografie des Bootes, und auch die gegnerischen Kommandanten werden ausführlich vorgestellt. Offenbar waren allerdings Erfolge gegen die Bewachungsstreitkräfte der Otranto-Straße, die die Ausfahrt von deutschen und österreichisch-ungarischen Unterseebooten erschwerten, zumindest beim Auslaufen nicht erwünscht. Es findet sich zumindest ein derartiger Befehl, keine Zerstörer anzugreifen, in den Aufzeichnungen des Kommandanten.

Den Schluss- und Höhepunkt setzt natürlich die abenteuerliche letzte Feindfahrt, die vom 22. Juni bis 26. September 1918 dauerte, also drei Monate. Bei dieser Fahrt hatte U 27, aufgrund von Bedienungsfehlern einiger Mitglieder des Maschinenpersonals, seinen Schmierölbestand verbraucht und war in erheblichem Maße gezwungen zu improvisieren. Unter anderem durch Strecken des Schmieröls mit Olivenöl! Längere Aufenthalte in Beirut und Tripolis, in den Häfen des osmanischen Verbündeten, waren die Folge, da es in dieser späten Phase des Krieges bereits ungemein kritisch war, überhaupt noch bestimmte Ersatzteile, Brennstoffe etc. zu bekommen. Und doch gelangte U 27 glücklich wieder heim, nur, um nach dem Ende der Doppelmonarchie an Italien ausgeliefert und abgewrackt zu werden.

Es folgt dann im Anhang eine Auflistung der an Bord befindlichen Offiziere, wie auch einiger Mannschaftspersonen, die wie üblich, aus allen Teilen der Doppelmonarchie kamen und, wie es das Schicksal wollte, im darauf folgenden Weltkrieg sich plötzlich auf verschiedenen Seiten wiederfanden.

Insgesamt ist das Buch, mit seiner Fülle an Fotos, Skizzen und Biografien sehr zu empfehlen, ein kleiner Wermutstropfen ist, dass am Ende des Buches eine Zusammenfassung der versenkten Schiffe des Bootes in tabellarischer Form fehlt, so fehlen z.B. die technischen Angaben des vom U-Boot versenkten Dampfers Niritos auf Seite 23 des Buches fast ganz.

Zusammenfassend ist das Buch aber auf jeden Fall für Interessierte zum Kauf zu empfehlen.

Thomas Pflüger


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