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Die UC-Boote der Kaiserlichen Marine 1914-1918

Autor: Harald Bendert
Titel: Die UC-Boote der Kaiserlichen Marine 1914-1918
Untertitel: Minenkrieg mit U-Booten
Seiten: 214
Abbildungen: 132
Verlag: E.S. Mittler & Sohn
Ort, Jahr: Hamburg, 2001
ISBN 3-8132-0758-7

Es stand zu erwarten, daß als Ergänzung zu dem im Jahre 2000 veröffentlichten Band über die UB-Boote alsbald entweder ein Folgeband über die Flottenboote, oder ein Band über die UC-Boote folgen würde; letzteres ist mit dem vorliegenden Werk geschehen. Bekanntlich unterschieden sich die beiden Typen UB I, bzw. UC I zunächst nur dadurch, daß ersterem vorlich des Kommandoturmes ein konisch zulaufendes Vorschiff mit zwei Torpedo-rohren angeflanscht worden war, letzterem ein mehr oder minder zylindrisches Vorschiff mit sechs Minenschächten. Während also die UB-Boote eindeutig als Kampfboote definiert waren, bestand die Aufgabe der ersten UC-Boote ausschließlich darin, ungesehen im Küstenvorfeld Minen zu legen, um anschließend direkt wieder in den Heimathafen zurückzulaufen. Ab der folgenden UC II-Serie wurde dann aufgrund besserer Einsicht der Verantwortlichen das nicht sonderlich ökonomische Verfahren insofern optimiert, als die Boote zusätzlich eine Torpedo- und Artilleriekomponente erhielten, um ebenfalls aktiv am alles bestimmenden Handelskrieg teilnehmen zu können. Die noch folgenden UC III-Serie bedeutete nur hinsichtlich der Bootsgröße und der dementsprechenden Ausstattung eine Modifikation des gefundenen Weges.

Der Aufbau des vorliegenden Buches entspricht im wesentlichen dem seines Vorgängerbandes: Einer Einführung über den Krieg speziell mit Minenbooten auf den vier Kriegsschauplätzen, den Gewässern um England, der Ostsee, dem Mittelmeer sowie dem Schwarzen Meer, folgt die Chronik jedes einzelnen UC-Bootes, inklusive der bekannten oder zumindest nachvollziehbaren Versenkungserfolge (ein potentielles Problem beim Minenkrieg), bis hin zu den zwar begonnenen, aber nicht mehr fertiggestellten Booten. Im Anhang erfährt der Leser dann noch etwas über die technischen Daten der Boote und die tabellarisch summierten Versenkungserfolge. Als besonders wichtig muß auch hier wieder das Register genannt werden, welches gegenüber dem Admiralstabswerk ein leichtes Auffinden der Boote und Schiffe ermöglicht.

Bereits jetzt soll, aufgrund der bekannten Aufmachung, zur Wertung übergegangen werden: Ein schwieriges Unterfangen, wie sich bereits anläßlich des UB-Bandes herausgestellt hat, da sehr vom Interesse und der Kenntnis des einzelnen abhängig. Grundsätzlich verbessert hat sich zunächst einmal die Aufmachung des Bandes, die Auswahl und Reproduktion des Fotomaterials. Auch die Bearbeitung des Textes wurde sorgfältiger vorgenommen, so z.B. die durchgängige Darstellung der Schiffsnamen in Kapitälchen. Die Frage aber nach dem Gehalt des Textes, sprich, der Vollständigkeit in der Wiedergabe der Unternehmungen und Ereignisse, ist da eine andere. So kann beispielsweise der Satz aus dem Vorwort, trotz geöffneter Archive gäbe es noch Lücken, Unklarheiten und Widersprüche über die durch U-Bootminen erzielten Erfolge nicht unkommentiert bleiben: Es gibt Kollegen, welche durch ihre jahrelange Forschungsarbeit beispielsweise im „Public Record Office“ derartige Lücken längst geschlossen haben. Auch die häufig summarische Beschreibung des Endschicksals einzelner Boote, „?-Englischer Kanal“, ist heutzutage – vor allem für jene Gewässer – nicht mehr haltbar, da ein großer Teil der Boote inzwischen gefunden wurde.

Für die Schilderung der Unternehmen der einzelnen Boote stützt sich der Autor nach eigener Beschreibung auf die in Freiburg archivierten KTB der einzelnen Boote. Dann sei aber die Frage erlaubt, wo er die Grenze zwischen schilderungwürdigen Ereignissen und Auslassungen zieht. Nehmen wir zur Verdeutlichung des Gesagten beispielsweise die 6. Unternehmung des Bootes UC 15: Nach im Buch vorliegender Chronik war es zuvor am 27.4.1916 in Euxinograd ein- und zur 6. Unternehmung von dort am 25.5 wieder ausgelaufen. Aus der Schilderung gefallen ist dabei die Tatsache, daß es sich während eines Aufenthaltes vom 2. – 19.5. in Istanbul seine Minenladung abgeholt hatte, bevor es vom 19. auf den 20. nach Euxinograd versegelte, der Beginn der Unternehmung also eigentlich auf den 19. datiert werden müßte, zumal Euxinograd nur ein vorgeschobener Stützpunkt war. Nun könnte selbstverständlich das Argument aufgeworfen werden, bei der Verlegungsfahrt handelte es sich nicht um einen Einsatz. Doch als was ist dann ein Einsatz zu definieren? Fakt ist, daß die Boote mit dem Verlassen des Bosporus in das Kriegsgebiet einliefen, denn oft genug lauerte direkt „vor der Haustür“ ein gegnerisches U-Boot. Gleiches gilt übrigens auch für Flandern: Ein häufig vorgekommenes Auslaufen einzelner Boote als Vorposten- oder Markboot – hier ebenfalls nicht erfaßt, da offenbar keine „Unternehmung“ – war nach dem Verlassen des Schutzes der Mole von Zeebrügge eine Fahrt ins Kriegsgebiet, also eigentlich eine Unternehmung.

Ein weiterer Fallstrick begegnete dem Autor in Form des Bootes UC 13. Auf Seite 80 zeigt er ein Foto des Bootes, wie es achteraus laufend die Bucht von Istinye verläßt. Deutlich ist auf der Seite des Bootes die Identifikationsnummer „25“ zu lesen, welche – zumindest nach „Gröner“ – die österreichische Bezeichnung für UC 13 war. So weit, so gut, nur – wir befinden uns in türkischen Gewässern! Dort lautete die Nummer für UC 13 – „23“, während die „25“ für UC 15 stand. Ein drittes und auch letztes Beispiel soll bezüglich des Informationsgehaltes noch angeführt werden, und zwar die Abbildung auf Seite 142, betitelt: „Der britische Hilfskreuzer PATIA wurde versenkt.“ Das Bild zeigt allerdings nicht die Patia, einen ehemaligen Bananendampfer von „Elders & Fyffes“, sondern den Passagierdampfer Patria. Es gäbe auf diese Weise noch manches mehr zu erwähnen, doch sollen die angeführten Punkte genügen, um – wenn wir das Buch als reine Chronik ohne substantielle Hintergrundin-formationen betrachten – den Eindruck nicht zu negativ zu gestalten.

Ob die vorangestellten Anmerkungen wirklich relevant sind, ob es sich um die einzigen Schwachpunkte in einem ansonsten erschöpfenden Werk handelt, ob der Rezensent zu kritisch ist, das muß der einzelne nach seiner Interessenlage beurteilen. Gerne darf man dem Autor seine einführenden Worte glauben, nach denen ihn positive Reaktionen auf sein Erstlingswerk dazu bewogen haben, den vorliegenden Folgeband zusammenzustellen. Er hat wiederum eine gewaltige Fleißarbeit auf sich genommen – nicht zuletzt im Dienste der (nennen wir es ruhig einmal so) gemeinsamen Sache, die Kaiserliche Marine einer breiteren Leserschaft ins Bewußtsein zu rufen – und das Ergebnis übertrifft ohne weiteres die Erwartungen, dürfte also der breiten Leserschaft (hoffentlich) noch mehr gefallen als der Vorgänger. Dennoch darf man nicht über das Faktum hinweggehen, daß es einen Kreis von Lesern gibt, die noch etwas mehr von einem derartigen Buch erwarten – und hier ist nicht nur die Präzision der Fakten gemeint. Wünschenswert wäre es, wenn der Anspruch an die Qualität nicht unter dem Aspekt gesehen würde, wie vielen Lesern überhaupt wohl die Fehler auffallen werden. Ungeachtet dessen sei dem Buch erneut Erfolg gewünscht – und es ohne weiteres auch zum studieren empfohlen.

Dirk Nottelmann


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