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Von der Nassau- zur König-Klasse

Autor: Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke
Titel: Von der Nassau- zur König-Klasse
Seiten: 170
Fotos: 153
Skizzen und Karten: zahlreich
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 1999
ISBN 3-7637-5994-8
Autor: Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke
Titel: Vom Original zum Modell: Die Linienschiffe der Nassau- bis König-Klasse
Seiten: 55
Fotos: 26
Modellaufnahmen: 12
Verkleinerte Pläne: 9
Verlag: Bernard & Graefe Verlag
Ort, Jahr: Bonn, 1999
ISBN 3-7637-5995-9

In Verfolgung schöner Regelmäßigkeit erscheint wieder einmal ein Werk dieses Autorengespanns, wie üblich in der bekannten dreiteiligen Form, Buch, Heft und Plansatz. Nach einem Ausflug in das Gebiet der deutschen U-Boote des II. Weltkriegs, erfolgt die Rückkehr zu dem Bereich der Großkampfschiffe des I. WK. Und es hat sich nichts geändert!

Stellen wir das Fazit gleich an den Anfang: Dieses Buch/Heftgespann ist unter souveräner Außerachtlassung der neueren Forschung zum Thema deutsche Großkampfschiffe entstanden! Das ist um so unverständlicher, als es diese Forschung sogar in veröffentlichter Form gibt, und sie nicht erst aus den Akten erarbeitet werden müßte. Wer aber, trotz einer vermeintlich beeindruckenden Literaturauswahl, diese nicht nutzt, dem muß man unterstellen dürfen, daß es ihm auf historische Genauigkeit oder wenigstens Aktualität nicht mehr ankommt. Der ernsthaften historischen Forschung wird jedenfalls damit ein Bärendienst erwiesen, ja, womöglich die Zukunft verbaut, weil Verlage leicht argumentieren könnten, das Thema wäre ja schon abgehandelt worden.

Im Einzelnen: Die Gliederung des Buches ist einfach und klassisch. Einer Einleitung folgt eine Variation über "die Feuerleitgeräte der Seeziel-Artillerie" um dann in die Beschreibungen der einzelnen Schiffsklassen zu münden. Diese Beschreibungen sind wiederum gegliedert in die "technisch-taktischen-Daten", "Schiffbau, Panzerung, Bewaffnung, Antriebs- und E-Anlage", die "Lebensläufe" sowie den anschließenden Bildteil. Abgerundet wird das Buch durch die übliche Schlußbetrachtung, das Heft durch den Modellfototeil sowie die verkleinerte Wiedergabe der Zeichnungen aus der Planrolle.

Tunlichst vermieden wurde gegenüber den vorhergehenden Werken die Hereinnahme eines eigenen, völlig an dem Hauptthema vorbeigehenden Kapitels, wobei man sich dies innerhalb der hier vorliegenden Kapitel doch nicht so ganz verkneifen konnte: Was soll die Erwähnung des berühmt-berüchtigten Preisausschreibens des Kaisers von 1906 in dem Kontext "Linienschiffe"? Die Entwürfe waren - wenn überhaupt in einer Weise für den deutschen Marineschiffbau relevant - als Grundlagenforschung für den Typ des Großen Kreuzers zu sehen, hatten mit der Linienschiffsentwicklung nichts zu tun! Überhaupt ist diese Einleitung mit einem Wort nur als "verheerend" zu bezeichnen, die Anzahl der Fehler, Oberflächlichkeiten und Ungereimtheiten ist Legion (s.o.). Ganz schlimm wird es, wenn die Autoren eine ganze Passage der Einleitung mit den Worten beginnt, "So besagen Akten aus dem Kriegsschiffbauamt (sic!) des RMA:", dabei aber weder die Fundstelle benennt (was er offensichtlich nicht kann, da im Literaturverzeichnis keine deutschen Akten auftauchen), noch die eigentliche Fundstelle, ein Buch, welches seit einigen Jahren auf dem Markt ist. So etwas nennt man mißbräuchliches zitieren!

Über die Qualitäten der Abbildungen und ihrer Unterschriften braucht nichts weiter bemerkt zu werden, sie sind aus den vorhergehenden Bänden hinreichend bekannt. Als besonders entlarvendes Beispiel sei hier ein Foto angeführt, welches seitens Herrn Breyer im MARINE-ARSENAL-Bd. 17, Seite 17, ebenfalls gezeigt wurde. Das Bild zeigt die gestrandete RHEINLAND im Jahre 1918. Beiden Autoren gemein ist aber die unkritische, nahezu wortgleiche Verwendung des Textes, "Linienschiff POSEN ...". Bei einer erstmaligen Verwendung mag dieser Fauxpas ja noch angehen, eine spätere Veröffentlichung sollte eigentlich aus Fehlern lernen!?

Einer Kommentierung der Schlußbetrachtung entzieht sich der Rezensent, wer bis zu diesem Punkt noch Interesse an dem Werk bewahrt hat, der mag auch diese noch lesen. Das Heft "ergänzt" die Darstellung in bekannter Weise, durch Fotos im wesentlichen des Fraider-Modells der OSTFRIESLAND sowie eines Studienmodells der PRINZREGENT LUITPOLD, beide aus dem Küstenmuseum Wilhelmshaven. Die zusätzlichen Zeichnungen beziehen sich im wesentlichen auf die Darstellung des Takelplanes sowie der Deckansichten der KÖNIG. Auf gut Deutsch gesagt zeigen diese Zeichnungen die Umrisse des Schiffs sowie seiner Einrichtungen - von Detaillierung keine Spur. Wundern muß sich der Rezensent nur über die unkritisch übernommene Datierung der Zeichnungen - er war tatsächlich der Meinung, daß die KÖNIG zu dem angegeben Datum "14.August 1914" noch keinen Gefechtsmast führte sondern erst nach 1916...?

Die Wertung sei noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholt: Eine der überflüssigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre, und das auch noch zu einem unangemessenen Preis-Leistungsverhältnis. In dieser Form wünschen wir uns keine weiteren Werke.

Dirk Nottelmann (1999)


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