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Kreuzer und Kreuzerprojekte der k.u.k. Kriegsmarine 1889 - 1918

Autor: Erwin Sieche
Titel: Kreuzer und Kreuzerprojekte der k.u.k. Kriegsmarine 1889 - 1918
Seiten: 212
Abbildungen: 297 s/w Abbildungen und Skizzen
Verlag: E.S. Mittler & Sohn
Ort, Jahr: Hamburg, 2002
ISBN 3-8132-0766-8

Sollte es noch eines weiteren Beleges für das gute alte Sprichwort „Was lange währt, wird endlich gut“ bedürfen, so wird er hiermit gegeben: Vorliegendes Buch war bereits für den Herbst 2001 angekündigt worden, aber aus mannigfaltigen Gründen konnte dieses Erscheinungsdatum nicht gehalten werden. Den Autor in diesem Forum vorzustellen, bedürfte eines weiteren Sprichworts - jenes mit den „Eulen“ - und wird daher zurückgestellt, bis auf die Bemerkung, daß es anscheinend auch dem einst so regen Wiener Autorenpool leider an Nachwuchs mangelt. Reduziert sich doch die Anzahl der Autoren in der letzten Zeit erschienener Bücher zum Thema Österreichische Marine auf nicht einmal ein halbes Dutzend - und jene kennen wir nahezu durchgängig bereits aus den Tagen der seligen „Marine-gestern-heute“. Wohlgemerkt, es handelt sich dabei nicht um einen Nachteil, solange wir mit Büchern in der Qualität des hier vorgestellten versorgt werden! Im Umkehrschluß ist nämlich auch gültig, daß wir auf Bücher neuer Autoren, welche nichts neues zu sagen haben, gerne verzichten können. So viel der Vorrede.

Mit Erstaunen stellt man angesichts dieses Buches fest, daß in der umfangreichen Spezialliteratur zur österreichisch-ungarischen Marine das Thema „Kreuzer“ bisher ausgespart geblieben war. Sie tauchten zwar im Kontext einiger mehr oder minder allgemein gehaltener Veröffentlichungen auf, angefangen mit dem „Seekriegswerk“ H.H. Sokols über die Schilderung der österreichischen Beteiligung am „Boxer-Aufstand“ bis hin zu überwiegend technisch und teilweise auch nur chronologisch angelegten Artikeln in besagter „Marine-gestern-heute“, doch über die Entwicklungsgeschichte des Typs sowie seine taktisch-operativen Hintergründe und Aufgaben gab es bisher nichts zu lesen. Nun, dieses weiße Blatt wird gefüllt, die Lücke geschlossen, durch vorliegende, umfassende Veröffentlichung.

Einer allgemein gehaltenen Einführung zum Thema Kreuzerentwicklung im 19./20. Jahrhundert folgt der spezifische Blick auf die Seekriegsdoktrin der k.u.k.-Marine und wie sie die Kreuzer darin einband. Anschließend werden die einzelnen Schiffsklassen dezidiert vorgestellt, beginnend mit dem „Torpedorammkreuzer“, über die „echten“ Panzerkreuzer, hin zu den Kleinen Kreuzern und den Projekt gebliebenen Schlachtkreuzern - letztere bereits bekannt durch die ausführliche Vorstellung des Autors in „Marine-gestern-heute“ und anderen Zeitschriften. Insbesondere jenes Kapitel weckt Beklemmungen hinsichtlich der Irrationalität der Planungen, welche anscheinend ohne Einfluß der bisherigen Seekriegserfahrungen und der politischen Realitäten vorgenommen worden sind. Aber selbiges finden wir bekanntlich auch bei der Kaiserlichen Marine.

Der Aufbau der einzelnen Kapitel folgt dann dem Muster, daß zunächst eine generelle Einführung zur behandelten Schiffsklasse gegeben wird, woran sich eine umfangreiche Liste relevanter technischer Daten anschließt. Bevor dann die rein chronologisch aufgebaute Geschichte jedes einzelnen Schiffes den Abschnitt abschließt, folgen noch einige Spezialkapitel, bestimmte Aspekte vertiefend, so z.B. über die jeweils an Bord befindliche Bewaffnung, die Ereignisse um den Stapellauf, die Namensgebung sowie über teilweise erhalten gebliebene Relikte der Schiffe. Insbesondere jene Spezialkapitel „würzen“ die allgemeinen Informationen, wobei der Rezensent allerdings gewisse Schwierigkeiten mit der Relevanz auch noch einer Kurzvita des Taufpaten jedes einzelnen Schiffes hatte - aber bitte, die Geschmäcker sind halt verschieden. Sicherlich nicht im eigentlichen Wortsinn „lesbar“ sind auch die detaillierten Chronologien: Sie verzeichnen jeden Aufenthalt der Schiffe mit Ort und Dauer auf der Grundlage der Logbücher und sind somit im wahrsten Sinne des Wortes erschöpfend! Eine echte Geschichtsschreibung auf der Grundlage dieser Daten hätte auf jeden Fall einer Aufspaltung des Materials auf mehrere Bände bedurft, und das konnte nicht im Sinne der Herausgeber sein.

Ein Lob muß auch den enthaltenen Abbildungen gezollt werden, sie sind sinnvoll ausgewählt und umfangreich vertreten, wobei die Wiedergabequalität gut bis ausgezeichnet genannt werden darf. Wunderschön dabei vor allem die den jeweiligen artillerietechnischen Manualen entnommenen Geschützzeichnungen. Ein kleines Manko - wenn man es denn so nennen will - ist die Tatsache, daß man sich einige Fotos gerne noch ein wenig größer gewünscht hätte, aber auch dies hat etwas mit der Beschränkung des Gesamtumfangs zu tun. Der „fehlerhafte-Bildunterschrift-Teufel“ hat erfreulicherweise ebenfalls nur ganz selten zugeschlagen, am offensichtlichsten auf Seite 69, wo das hinter der im Dock liegenden Maria Theresia erkennbare deutsche Schiff als Kaiserin Augusta bezeichnet wird, während es in Wahrheit die eben zuvor aus dem gleichen Dock ausgedockte Hertha ist. (Übrigens läßt sich dadurch das Datum der Aufnahme genau auf den 5.10.1901 festlegen).

Nicht ganz „d’accord“ geht der Rezensent auch mit einigen in der Einleitung getroffenen Aussagen des Autors hinsichtlich der Entwicklung der Typenfrage, z.B. der Schlachtkreuzer. Hier scheint er noch dem mittlerweile stark in Frage gestellten Geschichtsbild verhaftet, nachdem der Schlachtkreuzer ein Derivat der Dreadnought-Entwicklung gewesen sei. Definitiv unrichtig ist jedenfalls die Aussage, die britische Marinevorlage 1905/06, welche ursprünglich 3 Schlachtkreuzer und 1 Schlachtschiff enthalten habe, sei in ihren Zahlen umgekehrt und demnach 3 Schlachtschiffe und 1 Schlachtkreuzer eingestellt worden. (In Bau gegeben wurden tatsächlich 3 „Invincible’s“ sowie die Dreadnought).

Aber das sind angesichts des insgesamt vorgelegten Materials Randgefechte ohne größere Bedeutung für die Gesamteinschätzung des Buches. Es bietet einen hervorragenden Überblick über das Thema, aber eben gleichermaßen auch noch wertvolle Hintergrundinformationen, verbunden mit umfangreichen Illustrationen, und kann ohne Einschränkung zum Lesen empfohlen werden. Letztere Bemerkung ist dabei nicht als leere Phrase, sondern mehr schon als Appell zu verstehen. Der Rezensent ist sich nur allzu bewußt, daß Themen aus der Zeit des Jahrhundertwechsels vom 19. zum 20. Jh. nicht sonderlich hoch im Kurs stehen - eine Tatsache übrigens, die Prof. Hubatsch bereits vor einem Vierteljahrhundert beklagte! Und dennoch gibt es Marinegeschichtlich gesehen kaum eine spannendere Periode, was eben nicht nur für die Deutsche Marine oder die Royal Navy gilt, sondern beispielsweise auch für die k.u.k-Marine. Also, geschätzter Leser dieser Rezension, um es nochmals zu wiederholen: Das Buch wird empfohlen!

Dirk Nottelmann (2002)


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