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Die Schiffe der k.(u.)k. Kriegsmarine im Bild

Autor: Lothar Baumgartner / Erwin Sieche
Titel: Die Schiffe der k.(u.)k. Kriegsmarine im Bild
Untertitel: Band 2: 1896 - 1918
Seiten: 384
Abbildungen: 462 s/w Abbildungen, 8 Farbbildseiten
Verlag: E.S. Mittler & Sohn
Ort, Jahr: Hamburg, 2001
ISBN 3-8132-0595-9

Nach langer Zeit der Ankündigung ist er nun Realität geworden, der zweite Band über die Schiffe der verflossenen „kakanischen“ Marine. Und er hat gegenüber dem ersten gewaltig an Umfang zugenommen, mehr als das doppelte an Seiten und an Abbildungen! Daß dabei auch der Preis auf ein Niveau gestiegen ist, welches wohl selbst den hartgesottensten Sammler schlucken läßt, ist da nur eine logische Folge.

Der Inhalt hat sich - was wunder - substantiell gegenüber dem Vorgängerband nicht geändert. Nach wie vor dominieren, wie im Titel impliziert, die Fotos; nur mußten die Kategorien um jene Einheiten erweitert werden, welche es in der voranstehenden Epoche noch nicht gab. So finden wir jetzt zusätzlich ein Kapitel über die Schlachtschiffe - wobei die österreichisch-ungarische Marine diesen Begriff bereits ausnehmend früh verwandte -, über die Kleinen-/Rapidkreuzer, Zerstörer, Unterseeboote, hin zu Kleinfahrzeugen und der Donauflottille. Ergänzend finden wir noch zwei Kapitel über den Verbleib der Schiffe nach 1918 sowie über „Die Finanziers und den militär-industriellen Komplex“. Wiederum gibt es zu jedem Kapitel eine kurze textliche Einführung über die Entwicklung, Geschichte und Besonderheiten der in diesem Abschnitt abgebildeten Schiffe, welche sowohl in deutsch, als auch in englisch gehalten ist. Hier ist wohl zu Recht auf den englischsprechenden Markt „geschielt“ worden, denn, um auf die inhaltliche Bewertung überzuleiten, der deutschstämmige Interessent ist in den vergangenen Jahren mit einer derartigen Anzahl von Veröffentlichungen über die k.u.k.-Marine verwöhnt worden, daß er hier doch so manch Bekanntes wiederfinden dürfte.

Im Prinzip muß eine Wiederholung eines eher unbekannten Fotos oder Tatbestandes ja noch kein Nachteil sein, wenn es sich in der Größe oder der Wiedergabequalität von dem früher publizierten abhebt, jedoch ..., wir werden unten nochmals darauf eingehen müssen! Grundsätzlich darf man daher die Bildauswahl erneut als gelungen bezeichnen: Eine gesunde Mischung aus Gesamtansichten und Detailaufnahmen bekannter Schiffe und ewig unbekannt gebliebener. Wobei, um es nochmals zu betonen, der deutschsprachige Raum inzwischen einen gewissen Heimnachteil „genießt“, indem dem geneigten Betrachter so manches Bild erheblich vertrauter vorkommt, als der übrigen Welt. Hier leidet die österreichische Marinegeschichte einfach unter dem Manko, daß sie in der in beiden Bänden behandelten Blütezeit nur 70 Jahre umspannte, und somit auch das fotografische Vermächtnis „überschaubarer“ ist.

Ein Punkt muß aber eben doch wieder angeführt werden, obwohl dem Rezensenten seine Rolle als „Cato der Ältere“ gründlich leid ist; dennoch, „ceterum censeo“: Die Wiedergabequalität der Bilder, in dem Vorgängerband bereits kritisch kommentiert, hat leider nochmals nachgelassen; soll heißen, die Anzahl der verwaschen reproduzierten Abbildungen hat stark zugenommen, und dabei sind eben auch Aufnahmen, welche man „von früher“ in besserer Qualität kannte! Erneut zeigt sich, daß das Einscannen von Bildern neben unzweifelhaft gegebenen Möglichkeiten auch Risiken birgt. Offensichtlich wird zur Verringerung des benötigten Speicherplatzes mit einer zu geringen Auflösung eingescannt, etwas, das heutzutage eigentlich nicht mehr begründbar ist. Eine gute Vorlage wird dadurch zwar noch nicht entstellt, doch es sind die weniger guten, die Probleme bereiten. Unscharfe Bilder wirken dann in ihrem Ergebnis meistens noch viel verwaschener als das Original, hervorgerufen durch die unvermeidliche Rasterung. Leider finden sich in dieser Auflage eine Vielzahl von Musterbeispiel für diese Aussage.

Selbstverständlich entzieht sich die Wertung dieses Buches einer reinen Polarisierung in „Gut“ oder „Schlecht“! Für den Rezensenten hat sich die in der damaligen Wertung des Vorgängers ausgesprochene Vorfreude auf den jetzt vorliegenden Band wenn auch nicht vollständig umgekehrt, so doch relativiert. Für denjenigen, an dem die Mehrzahl der Veröffentlichungen zur k.u.k.-Marine der letzten Jahre vorübergegangen ist, wird es sicherlich von Wert sein - wobei der oben angesprochene Preis, in Relation zur gebotenen Leistung, voraussichtlich ein entscheidendes Kriterium darstellt. Es steht aber zu befürchten, daß die mit Veröffentlichungen verwöhnte Klientel sich die Anschaffung stark überlegen wird. Daher bleibt die Hoffnung auf den dritten Band, in dem mit der Schilderung des militärischen Materials ein weitgehend unbesetztes Feld erschlossen werden soll.

Dirk Nottelmann


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