Symbol des AK Krieg zur See 1914-1918 Das Buchschapp

Hauptseite
Arbeitskreis
Nachrichtenblatt
Buchschapp
Buchbesprechungen
Impressum

Österreichisch-ungarische Hochseetorpedoboote und ihre Schicksale

Autor: Zvonimir Freivogel
Titel: Österreichisch-ungarische Hochseetorpedoboote und ihre Schicksale
Untertitel: Band 5 der Serie „Österreichs Schiffahrt in alten Ansichten“
Seiten: 101
Abbildungen: ca. 90
Verlag: Neuer Wissenschaftlicher Verlag GmbH
Ort, Jahr: Wien, 2003
ISBN 3-7083-0044-0

Band 5 der etablierten und uns mittlerweile wohlbekannten Serie beschäftigt sich quasi mit den Ausstrahlungen der k.u.k. Marine bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein, wobei der Titel womöglich etwas zu sehr generalisiert. Präzise ausgedrückt handelt es sich um die Geschichte der Schiffe nur einer Torpedobootsklasse, den sogenannten 250 t-Booten, welche in der Bezeichnung der Marine die Nummern 74 - 100 erhielten, jeweils um den postfix der Bauwerft erweitert; also, „T“ für „Stabilimento Tecnico Triestino“, „M“ für „Cantieri Navali Triestino in Monfalcone und „F“ für Danubius Fiume. Sie liefen zwischen Juni 1914 und Dezember 1916 der Flotte zu. Für den Autor waren sie insofern von besonderem Interesse, als sich ihre Lebensdauer nicht auf die kurze Zeit in der k.u.k. Marine beschränkte, sondern die Boote in verschiedenen kleineren südosteuropäischen Marinen - seinem Spezialgebiet - noch lange überlebten.

Dementsprechend ist auch nur die erste Hälfte des Buches k.u.k.-relevant. Der Leser erhält zunächst einen Kurzüberblick über die Torpedobootsentwicklung in Österreich-Ungarn, anschließend dann einen Einblick in die Entwicklungs- und Baugeschichte dieser speziellen Klasse. Abgerundet wird jene erste Hälfte mit Ausführungen über Schiffstechnik und Bewaffnung sowie die wenigen Ereignisse im Ersten Weltkrieg. Mit der Verteilung der Beute beginnt der zweite große Abschnitt, wobei der größte Anteil, acht Boote, quasi „im Lande“ verblieb, als Einheiten der neugegründeten jugoslawischen Marine. Sieben Boote erhielt Rumänien - wobei eines noch während der Überführung sank -, sechs Boote Portugal - von denen wiederum zwei während der Überführung sanken, und ebenfalls sechs Griechenland. Bis auf die Boote Portugals sahen alle noch Einsätze im Zweiten Weltkrieg, wobei die jugoslawischen Boote zunächst den Italienern in die Hände fielen, bevor die letzte verbliebene Einheit 1944 durch die Deutsche Marine als TA 34 übernommen werden sollte. Es wurde jedoch zuvor noch durch zwei britische MTB versenkt. Auch im Schwarzen Meer fuhren die Boote auf rumänischer Seite noch Kriegseinsätze gegen die sowjetische Marine, bevor sie nach dem Seitenwechsel Rumäniens kurzfristig in der Roten Flotte dienten. Zurück in der rumänischen Marine wurde das letzte von ihnen - und allen übrigen auch - erst 1959 außer Dienst gestellt.

Insgesamt muß man wohl sagen, zieht der an Zwischenkriegszeit sowie Zweitem Weltkrieg interessierte Leser wohl den größten Gewinn aus diesem Band, weniger der an der k.u.k.-Marine interessierte. Das ist auch nicht so tragisch, da die Geschichte der österreichisch-ungarischen Torpedoträger bereits mehrfach - auch bildlich - abgehandelt worden ist, die kleineren Marinen Südosteuropas hingegen weniger ein Thema waren. Insofern ist die Veröffentlichung durchaus zu begrüßen, wenn auch der engere Kontext, „Österreichs Schiffahrt in alten Ansichten“, hier weitgehend verlassen wurde.

Dirk Nottelmann (2003)


free counters