Symbol des AK Krieg zur See 1914-1918 Das Buchschapp

Hauptseite
Arbeitskreis
Nachrichtenblatt
Buchschapp
Buchbesprechungen
Impressum

Des Kaisers schwimmende Festungen. Die Kasemattschiffe Österreich-Ungarns

Autor: Georg Pawlik
Titel: Des Kaisers schwimmende Festungen. Die Kasemattschiffe Österreich-Ungarns
Untertitel: Band 6 der Serie „Österreichs Schiffahrt in alten Ansichten“
Seiten: 119
Abbildungen: 117
Verlag: Neuer Wissenschaftlicher Verlag GmbH
Ort, Jahr: Wien, 2003
ISBN 3-7083-0045-9

Wenn fast gar nichts mehr geht auf dem Gebiet interessanter, deutschsprachiger marinehistorischer Lektüre braucht man seit einiger Zeit nur nach Österreich zu schauen - dort „geht noch immer etwas“, und sei es im vorliegenden Falle der Band 6 der Serie „Österreichs Schiffahrt in alten Ansichten“. Zum dritten Mal zeichnet dabei Georg Pawlik als Autor verantwortlich, was wiederum einmal mehr die These unterstreicht, die Kompetenz wäre auch dort auf einen gewissen Kern beschränkt und Nachwuchs eher selten. Das mag zwar für den Moment noch nicht stören, läßt jedoch für die Zukunft nichts Gutes erahnen. Doch so weit sind wir noch nicht, sondern beschäftigen uns zunächst mit dem reichlich vorgelegten Material.

Einer speziellen Schiffsgattung ist vorliegender Band gewidmet, jenem der „Kasematt(panzer)schiffe“. Leider ist das Wissen um derartige Definitionen heutzutage nicht mehr allgemein verbreitet, so daß der Begriff einer Erklärung bedarf - was selbstverständlich auch in einem eigenen Abschnitt des Buches vorgenommen wird. Kurz gesagt mußten die damaligen Konstrukteure von der - klassischen hölzernen Segelfregatten entlehnten - Aufstellung der Geschütze in einer langen Batterie Abstand nehmen, da die zunehmend erforderliche Panzerung der Geschützaufstellung aus Gewichtsgründen nicht mehr tragbar war. Es erfolgte eine Konzentration auf wenige schwere Geschütze in einem kurzen Panzerstand, für den der dem Festungsbau entlehnte Begriff „Kasematte“ gewählt wurde, einen „bombensicheren Hohlraum zur Aufstellung von Feuerwaffen“ bezeichnend. Zusätzliche Bedeutung bekam diese Aufstellung nach der Schlacht von Lissa, als ein stärkeres Vorausfeuer das Gebot der Stunde wurde, wozu man die Kasematten in Form von Erkern, etc. leichter einrichten konnte, als eine Breitseitbatterie. Österreich, als quasi „Erfinder“ der Taktik von Lissa, adaptierte das neue System schnell, umfassend und langandauernd für seine Schiffe, sei es als Neubauten oder auch bei Umbauten, wovon jener des ehemaligen Segellinienschiffes Kaiser sicherlich der spektakulärste war. Insgesamt hatte die k.u.k.-Marine acht Schiffe dieses Typs in Fahrt, wovon das letzte, die Tegetthoff, erst 1879 in Dienst gestellt wurde; dies zu einer Zeit - „era of uncertainty“ genannt -, wo die Entwicklung doch längst in Richtung Barbetteturmschiff gegangen war. Immerhin darf man den geographischen Aspekt nicht ganz außer Acht lassen und der seinerzeitige Verbündete Italien sah diese Schiffe als ideal für die Kriegsführung in der Adria an. Dessen eigenen übergroßen Schiffe waren primär gegen Frankreich, aber selbstverständlich auch gegen die britische Mittelmeerflotte gerichtet.

Der Aufbau des vorliegenden Bandes ist klassisch: Vier allgemeinen, einführenden Kapiteln folgen sechs Kapitel, die einzelnen Schiffsklassen behandelnd, wovon nur eine - die umgebaute Kaiser Max-Klasse - mehr als ein einzelnes Schiff umfaßte. Das abschließende Kapitel wiederum wird dem langjährigen Chefkonstrukteur der Marine, Josef Ritter von Romako, gewidmet, der für die Konstruktion aller dieser Schiffe verantwortlich war. Die Kapitel über die Schiffe selbst bestehen üblicherweise aus einer Doppelseite biografisch-technischer Angaben sowie bis zu zehn Bildseiten. Die Wiedergabe der Fotos schwankt zwischen extrem retuschiert und sehr klar, wobei man sich immer wieder einmal vor Augen halten muß, daß die Fotographie in den 70er/80er Jahren sicherlich noch verbesserungsfähig war. Verglichen mit den überlebenden Aufnahmen aus der Kaiserlichen Marine jener Jahre ist das Angebot jedenfalls recht reichhaltig. Eine Einschränkung in der Qualität muß man einmal mehr den eingesetzten Skizzen und deren Wiedergabe attestieren - sie entsprechen nicht mehr dem heute möglichen Standard. Insgesamt aber ist das Buch uneingeschränkt zu empfehlen, als weiteres Mosaiksteinchen in der noch so leeren Fläche der Publikationen, die Schiffe der zweiten Hälfte des 19.Jh behandelnd.

Dirk Nottelmann (2003)


free counters