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Battle on the Seven Seas

Autor: Gary Staff
Titel: Battle on the Seven Seas
Untertitel: German Cruiser Battles 1914 - 1918
Seiten: 232
Abbildungen: 43
Verlag: Pen & Sword Maritime
Ort, Jahr: Barnsley, 2011
ISBN 978-1-84884-182-6

Im Herbst 2011 erschien das vorliegende Buch auf dem Markt, dessen Veröffentlichung neugierig machen musste, ist doch der (australische) Autor zumindest in den Kreisen der Fotosammler kein Unbekannter. Wie aber würde er sich des textlichen Teils annehmen? Schließlich sind die Gefechte größerer Einheiten - hier zählen die Kreuzer ausdrücklich dazu - während des Ersten Weltkrieges von beiden Seiten in diversen Einzel- aber auch Sammelpublikationen immer wieder einmal thematisiert worden; mit durchaus unterschiedlicher Sachkenntnis. Staff nahm sich nun insgesamt zehn Themengruppen vor, zu denen selbstverständlich die Klassiker zählen (Coronel, Falkland, Doggerbank, Skagerrak), aber auch selten behandelte Gefechte wie jenes vor Kap Sarych im Schwarzen Meer oder das Gefecht vor Östergarn in der Ostsee.

Zunächst einmal muss lobend festgehalten werden, dass der Autor sich die Mühe extensiver Recherche in deutschen Archiven gemacht hat - auf der einen Seite eigentlich eine Selbstverständlichkeit, auf der anderen aber ein großes Desiderat bei englischsprachigen Autoren (und so manches Mal auch bei deutschsprachigen). Daraus resultiert eine so wohl auch beabsichtigte durchaus neutrale, wenn nicht sogar prodeutsch zu nennende Schilderungsweise, ohne aber dass die Fehler auf deutscher Seite verschwiegen oder beschönigt werden. Man wäre ja schon froh gewesen, nicht immer wieder den noch immer gelegentlich bösartigen Stil englischer Autoren zu lesen (aber Staff ist eben Australier), doch diese Darstellungsart überrascht dann doch.

Das eine oder andere Mal schießt er zwar über sein Ziel hinaus, wenn Schilderungen zur Sprache kommen, die mit den eigentlich vorgestellten Gefechten/Schlachten der Kreuzer nur noch sehr marginal Berührung haben, doch wem schadet schon zusätzliche Information, insbesondere dann, wenn sie in der oben vorgestellten Art recherchiert und geschrieben wurde. Ein dicker Pluspunkt gilt auch den Abbildungen, wenngleich sie in einem Block zusammengefasst wurden. Es sind sehr seltene und sehr gute Aufnahmen darunter.

Trotz alledem gibt es ein paar Schwächen anzuführen; eine davon liegt sicherlich in der ihm nicht immer möglichen Kontrolle der von ihm getätigten oder zitierten Aussagen. So schreibt er beispielsweise anlässlich der Schilderung des Gefechtes vor Östergarn, in dessen Verlauf der Minenkreuzer Albatross verloren ging: „At 06.32 hrs the Russians opened a lively fire [...] The Germans were immediately placed in a critical situation as their artillery was unable to make reply because the Russians were still shrouded in darkness and gloom [...].“ Zumindest hätte diese Aussage leise hinterfragt werden dürfen, denn an einem 2. Juli ist es auf der Höhe von Gotland um 06.32 Uhr vielleicht dunstig, aber ansonsten taghell und es herrscht keine „darkness“ mehr.

Des Weiteren geht er mit seiner Zuneigung zur Deutschen Marine ein wenig zu weit, wenn er bemängelt, dass der berühmte „Todesritt der Schlachtkreuzer“ während der Skagerrakschlacht immer missverstanden, ja, ein volkstümliches Märchen geworden sei. Nun, die Interpretation der deutschen Sprache ist seine Sache nicht! Selbstverständlich war der Befehl Admiral Scheers: „Große Kreuzer Gefechtswendung rein in den Feind, Ran!“ (Quelle: Funkspruchkladde der Hochseeflotte) genau so gemeint, wie er gegeben wurde, um die vorliegende taktische Zwangslage zu lösen. Jeder an Bord der Schiffe hat es auch genau so verstanden, denn der Befehl stammte eigentlich aus der Zeit der antizipierten Meleé-Gefechte. Ob er in dieser Form ausführbar gewesen wäre, steht nicht zur Debatte - die Absicht ist die Frage.

Und schließlich - trotz allen Quellenstudiums - verfällt sogar Staff noch genau jenem Fehler, den ansonsten weniger bemühte Autoren allzu leichtherzig immer wiederholen, nämlich, den „Katalysator“ zur Auslösung der Skagerrakschlacht, den untersuchten dänischen Dampfer, mit dem Namen U-Fjord zu belegen. Einen Dampfer U-Fjord hat es niemals gegeben, wohl aber den Dampfer N. J. Fjord. Letztlich fehlte also offenbar das letzte Quäntchen Fachlektorat.

Sollte man derartige Schwächen auch nicht überbewerten, darf man sie zumindest nicht außer Acht lassen. Insgesamt überwiegt aber auf jeden Fall der positive Eindruck, um so mehr unter dem Aspekt, dass aus dem englischsprachigen Raum kein künftiger Autor mehr leichten Herzens behaupten kann, deutsches Archivmaterial ob der Sprachbarriere ignoriert zu haben. Wenn er schon nicht bereit ist, wie Gary Staff, die Ochsentour durch die Archive zu unternehmen, so ist er zumindest mit der Lektüre dieses Buches gut beraten.

Dirk Nottelmann


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